Berlin : Neue Kapelle am historischen Ort

Wo einst die Garnisonkirche stand, wurde gestern Einweihung gefeiert

Potsdam - 43 Jahre nach der Sprengung der Ruine der Potsdamer Garnisonkirche ist am Sonnabend am selben Standort eine neue Kapelle feierlich eröffnet worden. Sie soll als provisorisches Gotteshaus zumindest so lange genutzt werden, bis der vorgesehene Wiederaufbau der Garnisonskirche ein gutes Stück vorangekommen ist.

Bis 2017 soll nach den derzeitigen Plänen zumindest der Turm wieder errichtet sein. Der Berliner Altbischof Wolfgang Huber rief dazu auf, die künftige Garnisonkirche zu einem Ort der Versöhnung zu machen. Dabei solle man die Widersprüchlichkeit der deutschen Vergangenheit und der Geschichte dieses Ortes stets im Blick behalten.

„Das ist der Ruf aus Potsdam, der heute von diesem Platz ausgeht“, sagte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in seiner Predigt. „Wir wollen Menschen dazu ermutigen, aus Gottes Frieden zu leben und für gerechten Frieden zu sorgen.“ Angesichts des umfangreichen Bauvorhabens müsse diese Botschaft immer im Mittelpunkt stehen, aber nicht die verschiedenen Fragen nach Architektur und Städtebau.

An dem Gottesdienst nahmen rund 200 Menschen teil, darunter auch Brandenburgs ehemaliger Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Die Garnisonskirche wurde 1945 bei einem alliierten Luftangriff teils zerstört. Die DDR-Führung ließ die Ruine dann am 23. Juni 1968 sprengen. Die Kosten für den gesamten Wiederaufbau werden zur Zeit auf rund 40 Millionen Euro geschätzt. Das Geld soll überwiegend durch eine Spendeaktion aufgebracht werden.

Angesichts des Projektes dürfe man nie vergessen, dass „auch Gegenbotschaften gegen das Wort von der Versöhnung“ von der Kirche ausgingen. So inszenierten die Nazis dort im März 1933 anlässlich der Reichstagseröffnung einen feierlichen Staatsakt.

Am Rande des Gottesdienstes protestierten etliche Gegner des Bauvorhabens mit einem „Widerruf aus Potsdam“. Die Garnisonkirche sei lange Zeit das „geistliche Zentrum des preußischen Militarismus“ gewesen, argumentierten sie.

Wer die Potsdamer Garnisonskirche heute wieder aufbauen wolle, versöhne sich „doch nur mit der reaktionären Geschichte des Staates Preußens“. Mit dem Bauvorhaben würden zudem öffentlicher Gelder in großem Stil verschwendet: für die Errichtung einer „kunsthistorisch wertlosen Kopie“. epd lob jup

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