Berlin : Neue Kraft im Haus

Der Stirlingmotor ist ein Zukunftsmodell: Er braucht Gas und gibt Wärme

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So sehen Visionen aus: Jedes Mehrfamilienhaus, jeder Gewerbebetrieb, jede öffentliche Einrichtung hat ein eigenes Kraftwerk – klein wie eine Waschmaschine, leise, sauber und energiesparend. Und preiswert. Denn teures Öl braucht man für diese Energiemaschine nicht.

Sie gilt als entwicklungsfähig, deshalb wird noch viel geforscht. Aber es gibt diese kleinen Kraftwerke schon, wenngleich in Berlin erst seit wenigen Tagen. Die Feuerwache an der Wiener Straße in Kreuzberg hat eines in Betrieb genommen. Ein Pilotprojekt für die Stadt. Wenn es sich bewährt, woran die Experten nicht zweifeln, könnte es in Berlin bald eine Menge dieser Kraftwerke geben.

Natürlich glaubt auch die Gasag an das Zukunftsmodell und die Firma Stirling, die das Kraftwerk erforscht und entwickelt hat. Das Herz der Neuheit für den Hausbetrieb heißt immerhin „Stirlingmotor“. Der Name geht auf die Schotten Robert und James Stirling zurück. Einer von ihnen war Geistlicher, der andere Ingenieur. Beide meldeten einen Heißluftmotor als Patent an. Das war allerdings schon 1816, was für die Zukunftsträchtigkeit der Idee spricht. Zu viel heiße Luft kann es nicht gewesen sein, wenn der Name Stirling noch heute als Projekt von Morgen gilt.

Zumindest als Neuland für Berlin. Das Prinzip klingt einfach, auch wenn der Begriff „Kraft-Wärme-Koppelungsanlage“ anderes vermuten lässt. Es gibt einen Motor, der mit Erdgas gespeist wird, mit Helium arbeitet und einen Generator antreibt, der Strom und Wärme erzeugt. Der Motor reduziert die Kohlendioxid-Emissionen, hat weniger Verschleiß, muss kaum gewartet werden. „Externe Verbrennung“ nennen die Fachleute das. Man kann das Kraftwerk auch mit Biogas antreiben, sogar mit Solarenergie. Die Gasag favorisiert naturgemäß den Gasbetrieb. Welcher Antrieb auch immer – die Luft der Stadt könnte sauberer werden. Die Berliner Energieagentur ist an dem Projekt beteiligt und verfolgt das Innenleben der Feuerwache mit großem Interesse. Für Eigenheime aber ist das Kraftwerk trotz der Waschmaschinengröße (noch) immer eine Nummer zu groß. C. v. L.

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