Berlin : Neue Nase zum Christfest

Schönheitsoperationen sind risikoreiche Eingriffe Doch sie werden sogar zu Weihnachten verschenkt

Ingo Bach

Größere Brüste, ein straffer Bauch, weniger Falten – immer mehr Menschen lassen der Schönheit wegen an sich herumschneiden. In Deutschland nehmen Ärzte jährlich bis zu 600000 plastische Operationen vor, schätzt der Berufsverband der Plastischen Chirurgen. Sechs Mal so viele wie noch 1990. Operationen gelten sogar als hippes Weihnachtsgeschenk. Es gebe den Trend, zum Beispiel einen Gutschein für eine Brustvergrößerung unter den Christbaum zu legen, heißt es bei den Berufsverbänden. „Es sind vor allem die Ehemänner, die ihren Frauen deren eigenen Wunsch nach einem schöneren Äußeren erfüllen“, sagt Michael Krueger, Ärztlicher Leiter der Potsdamer Privatklinik Sanssouci. Der Chirurg verzeichnet vor den Feiertagen zehn Prozent mehr Arbeit.

Als Weihnachtsgeschenk sind aber plastische OP’s nicht geeignet. Denn sie bergen die gleichen Komplikationsgefahren wie jeder andere chirurgische Eingriff. Und bei Schönheits-OP’s gehen die Patienten ein weiteres Risiko ein. Unter Umständen geraten sie an einen Arzt, der solche Eingriffe in Wochenend-Kursen erlernt hat. Der Begriff Schönheitschirurg ist nicht gesetzlich geschützt, jeder zugelassene Arzt kann sich so nennen.

Rund 100-mal im Jahr müsse er „verpfuschte Schönheitsoperationen“ korrigieren, sagt Jürgen Hussmann, Chefarzt der Plastischen und Handchirurgie am Helios-Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf. 1998 habe er im Schnitt noch 40 „Reparaturen“ jährlich vornehmen müssen. Hussmann berichtet von einem 15-jähriges Mädchen. Mit zwölf habe ihr ein Schönheitschirurg die Nase gerichtet und „objektive Makel“ hinterlassen. Hussmann ist erschüttert, dass manche Ärzte gegen eine der ehernen Regeln des Gewerbes verstoßen: keine ästhetischen Eingriffe an Heranwachsenden.

Auch im Unfallkrankenhaus Berlin wurden Kunstfehler von Schönheitschirurgen behandelt. So habe ein Arzt bei der Korrektur eines Augenlides statt eines Betäubungsmittels schädlichen Konservierungsstoff gespritzt.

„Wir müssen uns von den schwarzen Schafen abgrenzen“, sagt Jürgen Hussman, der auch Präsident der Fachgesellschaft für plastische und Wiederherstellungschirurgie ist. Es gibt Empfehlungen seiner Gesellschaft, wonach Schönheitschirurgen nach dem Facharztstandard der plastischen Chirurgen arbeiten müssen. Die konkurrierende Gesellschaft für ästhetische Chirurgie fordert, dass zumindest nur Fachärzte solche Eingriffe vornehmen dürften. Es gehe nicht um das Fernhalten von Konkurrenz, betont Hussmann. Wer seine Befähigung nur in Wochenendkursen erworben habe, sei eine Gefahr für Patienten. Der Ärztekammer liegen mehrere Beschwerden über Behandlungsfehler bei ästhetischen OP’s vor, darunter sind aber auch Vorwürfe von Patienten, die mit dem OP-Ergebnis unzufrieden sind. Tendenz: steigend.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben