Berlin : Neue Nationalgalerie: Warten auf Picasso

Jörg-Peter Rau

Die Schlange ist wirklich eine: Sie schlängelt sich. Vom Eingang ins Innere und dann in vielen Windungen bis an die Kasse. In der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum ist die Hölle los, aber der Zerberus von der Sicherheitsfirma hat kein Einsehen. Auch ein leerer Rucksack ist ein Rucksack, und ein Rucksack muss abgegeben werden.

Immerhin ist die Stimmung gut: "Wir hätten ja nicht auf den letzten Drücker kommen müssen", sagt eine ältere Dame. Zwei Studentinnen aus Melbourne sind auf Kurzbesuch in Berlin. Sie hatten keine Wahl, und doch sind sie froh: "Wenn Picasso nicht verlängert worden wäre, hätten wir die Ausstellung gar nicht gesehen. Great!"

Im Keller des Mies-van-der-Rohe-Baus stehen sie in Dreierreihen vor den rund 120 Werken der Picasso-Schau "Die Umarmung". Mehr als 175 000 Besucher waren schon hier. Es geht um Mann und Frau, um Mutter und Kind, um Sehnsucht und Symbole. Langsam bewegen sich die Massen durch die Räume. Vor den großen Bildern, die mehr Abstand verlangen, gibt es Platz. Die kleinformatigen Zeichnungen und Radierungen sind von Besuchern verstellt. "Ich komme heute Abend um elf noch mal", sagt ein Student aus Steglitz. "Dann ist es vielleicht besser." Nur oben, bei den Portrait-, Akt- und Modefotos von Helmut Newton, ist die Lage etwas entspannter. Zum Schluss noch ein Tipp: Wer nicht zur Garderobe muss, muss sich auch nicht lange anstellen. Und wer die neue "Jahreskarte Plus" (120 Mark, ermäßigt 60) der Staatlichen Museen hat, kommt damit nicht nur in die Sammlungen in Tiergarten, Mitte, Dahlem und Köpenick, sondern auch in alle Sonderausstellungen.

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