Berlin : Neue Notarztwagen sollen billiger retten

„Rollende Intensivstationen“ werden teilweise durch kleinere, schnellere und kostengünstigere Fahrzeuge ersetzt

Sigrid Kneist

Auf den Berliner Straßen wird künftig ein neues Notarzteinsatzfahrzeug unterwegs sein. Die bisher eingesetzten großen Fahrzeuge, auch als „rollende Intensivstationen“ bezeichnet, werden teils durch speziell ausgerüstete Kleinbusse ersetzt. Damit sollen die Kosten für die Notfallrettung gesenkt werden. Doch Innensenator Ehrhart Körting verfolgt noch ein weiteres Ziel: die flexibleren Wagen sollen schneller am Einsatzort sein.

Das erste dieser neuen Fahrzeuge wurde jetzt am Unfallkrankenhaus Marzahn stationiert und hatte gestern seine ersten Einsatzfahrten. Die nächsten Wagen sollen im kommenden Jahr am Krankenhaus Neukölln und im DRK-Krankenhaus Westend in Betrieb gehen. Bis zum Jahr 2008 sollen acht der 14 Berliner Notarztwagen ersetzt werden. Mit dem eingesparten Geld will die Feuerwehr zwei zusätzliche Notarzt-Stützpunkte einrichten. Insgesamt sind in Berlin dann an 16 Krankenhäusern und Feuerwachen Notarztfahrzeuge stationiert.

In den neuen Kleinbussen fährt allerdings nur noch ein Rettungsassistent der Feuerwehr sowie ein Notarzt mit, in den bisherigen großen Notarztwagen sind es zwei Feuerwehrleute und ein Mediziner. Zudem können die Kleinbusse keine Patienten mehr transportieren. Dieses wird dann gänzlich von den parallel alarmierten Rettungswagen übernommen, die auch jetzt schon bei einem Notfall zeitgleich alarmiert werden.

Der Leiter der Rettungsabteilung im Marzahner Unfallkrankenhaus und Vorsitzende der Berliner Arbeitsgemeinschaft der Notärzte, Jörg Beneker, geht davon aus, dass die Qualität der notärztlichen Versorgung durch die Fahrzeuge nicht beeinträchtigt ist. Das Personal der Rettungswagen sei in mehrmonatigen Schulungen extra trainiert worden, da nun weniger Kräfte am Einsatzort sind, sagte Beneker. Allein im Bereich des Marzahner Krankenhauses habe man rund 120 Feuerwehrleute geschult. Zudem geht Beneker davon aus, dass die wendigeren Fahrzeuge schneller am Einsatzort sein können. Die medizinische Ausrüstung sei beinahe identisch. Auch wenn Patienten jetzt nur noch im Rettungswagen transportiert werden könnten, würden sie genauso medizinisch versorgt wie im bisherigen Notarztwagen, da der Arzt dort mitfahren kann.

Vor allem der Druck der Kassen führte dazu, das Berliner Rettungswesen neu zu organisieren. Nach Angaben von Feuerwehrchef Albrecht Broemme kostet das neue Einsatzfahrzeug 100 000 Euro weniger als der bisherige Notarztwagen. Zudem sinken die Personalkosten durch die geringere Besatzung mit Feuerwehrrettungsassistenten pro Fahrzeug um jährlich 240 000 Euro. Die großen Notarztwagen sollen künftig vor allem am Stadtrand und zum Transport von Intensivpatienten eingesetzt werden.

Andere Großstädte haben bisher gute Erfahrungen mit den neuen Kleinbussen gemacht. Hamburg hat sein Rettungswesen komplett darauf umgestellt, in München sind – wie in Berlin geplant – beide Wagentypen unterwegs.

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