Berlin : Neue Pläne für Mahnmal am Bahnhof Grunewald

Streit um Bau von Villensiedlung ist entschärft. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde: „Da kann sich etwas sehr Positives entwickeln“

Claudia Keller

Im Streit um die Baupläne am Mahnmal am Bahnhof Grunewald zeichnet sich eine überraschende Lösung ab. Die Jüdische Gemeinde, der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und der Projektentwickler Aurelis arbeiten an Plänen, die das Mahnmal im Zuge der Baumaßnahmen nicht eingrenzen, sondern sogar erweitern würden. Albert Meyer, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, hat jetzt dem Tagesspiegel seine Idee vorgestellt, am Ende des stillgelegten „Gleises 17“, das an die Deportation erinnert, eine Wand mit den Namen der 56000 ermordeten Berliner Juden zu errichten. Diese Namenswand und eine Lärmschutzmauer würden den Gedenkort von der geplanten Villensiedlung trennen. Projektentwickler Aurelis, der entlang der Bahntrasse Wohnhäuser für gehobene Ansprüche und einen Supermarkt bauen will, ist von der Idee ebenso angetan wie Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU).

„Als ich von den Bauplänen am Bahnhof Grunewald erfahren habe, habe ich sofort Kontakt mit den Planern aufgenommen“, sagte Albert Meyer. Einen Tag später sei eine Architektengruppe von Aurelis in sein Büro gekommen. „Da kann sich etwas sehr Positives entwickeln“, sagte Meyer. Seine Idee erklärt er so: „Die Straße, die am Mahnmal vorbeiführt, würde vollkommen für das Mahnmal erhalten bleiben. Von dort geht es hoch zur Rampe. Da müsste ein Lärmschutzwall gebaut werden, weil es hier keine Beeinträchtigung geben darf und das Mahnmal von der Wohnsiedlung abgegrenzt werden muss.“ Er bestehe darauf, dass die erste Villa mindestens mit einem Abstand von 150 Metern von dem Lärmschutzwall gebaut wird. Die Wand mit den Namen der Getöteten stellt sich Meyer als „repräsentative Marmoranlage“ vor – vielleicht so wie die kürzlich am Pariser Holocaust-Mahnmal eingeweihte Wand mit Namen der ermordeten französischen Juden.

Was die Finanzierung der Gedenkwand angeht, hofft Meyer auf Aurelis. Der Unternehmer Hans Wall habe aber auch angedeutet, das Projekt, „im Notfall zu unterstützen“. Die Ausgestaltung der Gedenkanlage will Meyer Künstlern überlassen. Investor Aurelis, der das neue Wohn- und Gewerbegebiet entwickelt, bestätigt die Pläne, die gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde entwickelt werden. Eine zusätzliche Gedenkwand könne man sich vorstellen, sagt Christoph Zock, der bei Aurelis für das Grunewald-Projekt zuständig ist. Auch Baustadtrat Gröhler unterstützt Meyers Idee: „Dadurch wird der Mahnmalsbereich vergrößert und inhaltlich aufgewertet.“

So schnell wie möglich will Meyer mit dem polnischen Künstler und den Frankfurter Künstlern sprechen, die den jetzigen Gedenkort gestaltet haben. Ende März sollen alle Beteiligten zusammengerufen werden, sagt Monica Schümer-Strucksberg (SPD), Vorsitzende des Charlottenburger Bauausschusses.

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