• Neue Rechtschreibung: An Berliner Schulen ist das Thema durch - Eine Oberschulrätin zieht Bilanz

Berlin : Neue Rechtschreibung: An Berliner Schulen ist das Thema durch - Eine Oberschulrätin zieht Bilanz

Susanne Vieth-Entus

Kinder lieben Regeln und hassen Ausnahmen - jedenfalls in Sachen Orthografie. Und deshalb sei der Rechtschreibunterricht seit der Reform einfacher geworden, resümiert die Tiergartener Grundschullehrerin Ingrid Hoppe, die sich auch um die Lehrerfortbildung kümmert. Den Rückgriff der FAZ findet sie "sehr betrüblich", denn das Thema sei an den Schulen eigentlich längst durch.

Als Beispiel für reformbedingte Vereinfachungen nennt Ingrid Hoppe die Zusammen- und Getrenntschreibung. Hier seien Probleme durch klare Regeln entschärft worden. Wenn sie den Kindern erklären will, warum man "schön schreiben" getrennt, aber "totmachen" zusammenschreibt, dann sagt sie, dass "schön" steigerbar sei, aber "tot" eben nicht (toter, am totesten ...). Oder das beliebte "Staub saugen". Da man auch sagen kann "Ich sauge Staub", muss man es trennen. Andersherum gilt eben für "bergsteigen", dass es zusammenbleiben muss, da man nicht sagen kann "Ich steige Berg".

Dies klingt einleuchtend, wenn an dieser Stelle auch erwähnt werden soll, dass der Duden - zumindest in seiner Reformausgabe von 1996 - noch manches anders gesehen hat ("schönschreiben"), obwohl er im Anhang die richtige Regel benennt. Kurios.

Überhaupt der Duden. Das krampfhafte Festhalten jeder möglichen Schreibweise im Duden findet Mascha Kleinschmidt-Bräutigam eher lästig, solange die Reform noch im Flusse ist. Die Oberschulrätin hat die Umsetzung der neuen Orthografie in Berlins Schulen gemanagt. Sie bedauert, dass der Reform nun ausgerechnet das vorgeworfen wird, was ihr zugute gehalten werden müsste: Nämlich die Offenheit für nachträgliche Verbesserungen der Regeln zugunsten plausiblerer oder populärerer Varianten.

Kleinschmidt-Bräutigam hatte sich auf Bitten des Tagesspiegels kürzlich unter Lehrern umgehört, die als Moderatoren der Reform an den Schulen eingesetzt waren. Die Resonanz fiel eindeutig positiv aus: "Die Schüler haben es auf jeden Fall einfacher", lautet ihr Resümee. Nicht zuletzt die Zeichensetzung sei seltener Fehlerquelle als früher.

Die Akzeptanz hängt allerdings auch von der Schulform ab. Während Ingrid Hoppe für die Grundschulen beobachtet hat, dass sich die Lehrerinnen in kürzester Zeit umgestellt hätten, heißt es etwa aus einem Steglitzer Gymnasium, insbesondere die älteren Kollegen täten sich schwer mit der neuen Rechtschreibung.

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