Berlin : Neue S-Bahnlinie kommt später

Die S 21 soll Lehrter Bahnhof und Nordring verbinden – jetzt behindern Hochhauspläne das Projekt

Klaus Kurpjuweit

Der Bau der S-Bahn-Linie S 21, die von der nördlichen Ringbahn zum künftigen Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof führen soll, verzögert sich weiter. Die Planung für die Verbindung könne nicht fortgesetzt werden, weil die Bahn ihre Zusagen nicht einhalte, heißt es bei der Stadtentwicklungsverwaltung. Dabei geht es um ein nördlich des Bahnhofs geplantes Hochhaus, unter dem später einmal die Gleise der S 21 entlangführen sollen.

Doch noch immer steht nicht fest, was für ein Haus hier entstehen soll. Ursprünglich war als Teil des Bahnhof-Umfeldes ein 100 Meter hohes Gebäude mit einem H-förmigen Grundriss geplant. Die potenziellen Investoren, das Unternehmen Vivico, wollte dann aber 150 Meter Höhe erreichen, weshalb der Bebauungsplan geändert wurde. Als Grundriss ist nun ein Trapez vorgesehen. Doch weil Vivico keine Entscheidungen treffe, könne nun auch nicht 2005 mit dem Ausheben der Baugrube begonnen werden, so ein Planer. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte im vergangenen Jahr den Baubeginn des Hochhauses für dieses Jahr versprochen. Eine Entwurfsplanung für das ursprüngliche Projekt war bereits fertig. Nun führe die Abkehr von den bisherigen Plänen zu einem weiteren Terminverzug, heißt es in der Stadtentwicklungsverwaltung, die zudem die Informationspolitik der Bahn beklagt. Das Vorgehen der Bahn lasse nicht zum ersten Mal zu wünschen übrig, heißt es.

Nun ist völlig ungewiss, wann die S 21 den Hauptbahnhof erreichen wird. Bisher war hierfür etwa das Jahr 2012 vorgesehen. Am Nordring wurden zwischen den Bahnhöfen Wedding und Westhafen bereits die erforderlichen Bauwerke für die Abzweigung zum Lehrter Bahnhof erstellt (siehe Grafik). Die S 21 sollte diesen mit dem Ring und damit mit mehr als 60 der insgesamt 160 Stationen der S-Bahn verbinden.

Als weitere Anbindung des Bahnhofs war Anfang der 90er Jahre die Verlängerung der U-Bahn-Linie U 5 vom Alexanderplatz geplant worden. Nachdem das Geld knapp geworden war, verzichtete der Senat erst auf den Bau der S 21, dann stoppte er auch die Arbeiten an der U-Bahn – um dann doch wieder den Bau der S 21 voranzutreiben. Für diese muss nun nachträglich ein Haltepunkt unter dem Hauptbahnhof angelegt werden. Einige „Vorratsbauten“ gibt es dort bereits.

Wenn im Hauptbahnhof wie vorgesehen im Sommer 2006 zum ersten Mal planmäßig Fern- und Regionalzüge halten werden, fehlt dort auch der Anschluss ans Straßenbahnnetz. Hier hat der Senat den Termin um zwei Jahre auf 2008 verschoben, weil das Planfeststellungsverfahren im Bereich der Invalidenstraße Mängel hatte. Mit dem Bau der Straßenbahngleise wollte die Stadtentwicklungsverwaltung auch gleich die Voraussetzungen für einen Ausbau der Straße schaffen. Anwohner kippten dieses Vorhaben zunächst.

Jetzt bleibt von den vielen geplanten neuen Verbindungen zum künftigen Hauptbahnhof zunächst nur die bereits fast fertig gestellte U 55, die als vom übrigen Netz isolierte Stummellinie lediglich vom Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof führen wird.

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