Neue Schulform : Kampagne für Oberschulen

Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht will die vor einem Jahr eingeführten Oberschulen stärken. Aufgrund von Informationsdefiziten sind die Vorteile dieses Schultyps allerdings noch wenig bekannt.

Potsdam - Die aus den Gesamt- und Realschulen hervorgegangene neue Schulform habe sich etabliert, sagte Rupprecht (SPD). Sie solle nun zu einem Erfolgsmodell weiter entwickelt werden. Außerdem stellt Rupprecht ab 2007 mehr Geld für Projekte gegen Schulverweigerung sowie für Projekte zum Praxislernen bereit. Das Geld kommt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF).

Rupprecht räumte Informationsdefizite bei der Einführung der Oberschule ein. Es sei zu wenig bekannt, dass auch Oberschüler bei einem rechtzeitigen Wechsel an ein Gymnasium oder eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe das Abitur erreichen können. So hätten sich in diesem Jahr 45 Prozent der Grundschüler für das Gymnasium als weiterführende Schule entschieden. Nur 37 Prozent hätten die Oberschule gewählt. Dabei bestehe die Gefahr, dass sich einige Schüler an den Gymnasien überfordern. Mittelfristig solle die Hälfte aller Schüler eine Oberschule besuchen. Die andere Hälfte solle an Gymnasien und Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe unterrichtet werden.

Broschüre des Bildungsministeriums

Das Bildungsministerium plant nun eine Broschüre, mit der über die Schulformen informiert wird. Zudem sollen die Grundschulen verpflichtet werden, Informationsveranstaltungen anzubieten. Außerdem sollen die Oberschulen durch eine Ausweitung der Stundentafel gestärkt werden. Auch aufgrund der mäßigen Brandenburger Pisa-Ergebnisse wird die Zahl der Unterrichtsstunden in den Fächern Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaften in diesem Jahr in den siebten Klassen von 30 auf 32 pro Woche erhöht. Im kommenden Jahr ist die gleiche Erhöhung in der achten Klasse vorgesehen. Dazu werden insgesamt 50 neue Lehrerstellen geschaffen.

Um die Schüler noch besser auf eine Berufsausbildung vorzubereiten und zugleich die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss zu senken, sollen die Schulen in den kommenden Jahren zudem das Praxislernen ausbauen. Dafür stellt das Ministerium in der neuen Förderperiode der Europäischen Union von 2007 bis 2013 insgesamt 19 Millionen Euro aus dem ESF bereit. Damit erhalte jede Schule im Durchschnitt 20.000 Euro pro Jahr für entsprechende Projekte, sagte Rupprecht. Denkbar seien Kooperationen mit Unternehmen, Sommercamps oder Projektwochen.

Mehr Projekte für Schulverweigerer

Die Zahl der Projekte für Schulverweigerer soll nach dem Willen des Ministers in den kommenden Jahren von derzeit 14 auf mindestens 36 erhöht werden. Künftig solle jeder Landkreis mindestens zwei bis drei solche Projekte anbieten. Dafür stünden in der neuen Förderperiode 20 Millionen Euro ESF-Mittel bereit. In der auslaufenden Periode waren es sechs Millionen Euro. Bei den Projekten werden Schüler, die die Schule schwänzen oder im Unterricht nicht mehr mitziehen, wieder an die Schule herangeführt. Ziel ist, dass sie einen Abschluss erreichen, der Grundlage für eine Ausbildung ist.

Insgesamt erreichen derzeit acht Prozent aller Schüler keinen für eine Ausbildung geeigneten Schulabschluss. Die Hälfte davon sind allerdings Förderschüler. Die Zahlen sind nach Ansicht von Rupprecht zu hoch. Deshalb müssten die Anstrengungen verstärkt werden, die Schüler zu einem Abschluss zu führen. (tso/ddp)

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