NEUE SERIE : Der zweite Mauerfall: Wie Berlin zusammenwuchs

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Einfach rüber. Wo die Mauer stand, erkennt man meist nur an den Pflastersteinen, die ihren Verlauf nachzeichnen – etwa hier in der Ebertstraße. 20 Jahre Zeit hatte Berlin um zusammenzuwachsen. Wie haben die Menschen aus Ost und West, die Nachbarn, Kollegen, Vereinsmitglieder, ganze Branchen das geschafft? Eine neue Serie erzählt ihre Geschichte – ab morgen im Berlinteil des Tagesspiegels. Foto: T. Rückeis
Einfach rüber. Wo die Mauer stand, erkennt man meist nur an den Pflastersteinen, die ihren Verlauf nachzeichnen – etwa hier in der...

Was für ein Jahr der Freude, der Euphorie und optimistischen Erwartungen lag hinter den Berlinern seit der unglaublichen Nacht des Mauerfalls: Bei der Feier der deutschen Wiedervereinigung am 2. Oktober 1990 war er noch einmal zu spüren, dieser Glücksfunke der Weltgeschichte, der die Deutschen nach Jahrzehnten der Trennung wieder zusammengeführt hatte.

Doch als die Mauer gefallen, als ein einig Deutschland Wirklichkeit geworden war, fing die Arbeit erst richtig an. Berlin war eben wirklich ganz handfest die Werkstatt der Einheit, von der Politiker im übertragenen Sinne immer wieder sprachen. Hier war alles getrennt – von den Telefonleitungen bis zum U-Bahn-Netz, von der Fernwärmeversorgung bis zum Trinkwassernetz. Und es gab alles doppelt – von den Universitäten bis zur Polizei, von der öffentlichen Verwaltung bis zur Gesundheitsversorgung.

Wieder zusammenzuwachsen war eine unglaublich schwierige Aufgabe. Es ist das zweite Wunder nach dem Mauerfall, dass es die Menschen in der so lange schmerzhaft zerrissenen Stadt über diese Aufgabe geschafft haben, sich wieder gemeinsam als Berliner zu fühlen. Denn auch die Menschen waren sich in den Jahrzehnten der Teilung fremd geworden. Wie sich Berlin seit 1990 verändert hat, ist in den Straßen zu sehen: Berlin hat sich gefunden, hat sich auch neu erfunden. Das ist eine historische Leistung, gemeinsam vollbracht von den Menschen aus beiden Stadthälften. Gemeinsam haben sie an ihren Arbeitsplätzen, in Amtsstuben oder in der Fabrik an der Einheit gearbeitet.

Der Tagesspiegel stellt in seiner Serie „20 Jahre Einheit“ einige dieser Menschen vor: Sie haben den gleichen Arbeitsplatz, aber zwei unterschiedliche Lebensläufe und unterschiedliche Erfahrungen in Ost und West. Diese Menschen stehen dafür, wie sich Berlin verändert hat und wie erfolgreich, aber auch schmerzlich der Prozess der Annäherung war. Wir haben Polizisten in ihrer Wache getroffen, die seit 20 Jahren die gleiche Uniform tragen. Wir sind bei S-Bahn-Fahrern gewesen, die einst auf getrennten Gleisen unterwegs waren. Die erste Folge unser Serie lesen Sie am morgigen Sonntag: Den Anfang machen zwei Männer, deren Straße durch den Todesstreifen geteilt war, und die nun wieder Nachbarn sind. Gerd Nowakowski

JAHRE

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