Neue Sitcom-Serie "Nix Festes" : „Alle wollen immer geiler sein“

In „Nix Festes“ geht es um die Liebe, das Leben und Kreuzberg. Darsteller Josefine Preuß und Sebastian Fräsdorf sprechen über die „Generation Beziehungsunfähig".

von
Beziehungsweise Kaffee. Sebastian Fräsdorf alias Jonas Renner und Wiebke Busch (Josefine Preuß) hadern mit dem Leben.
Beziehungsweise Kaffee. Sebastian Fräsdorf alias Jonas Renner und Wiebke Busch (Josefine Preuß) hadern mit dem Leben.Foto: Christoph Assmann/promo

In der Sitcom „Nix Festes“ von ZDFneo suchen die Protagonisten Wiebke und Jonas ihren Platz im Leben, in der Liebe und in Kreuzberg. Ihre Darsteller Josefine Preuß und Sebastian Fräsdorf sprechen im Interview über die Rollen, die „Generation Beziehungsunfähig“ und Berlin.

„Nix Festes“ spielt in einem der letzten nicht gentrifizierten Altbauhäuser in Kreuzberg. Hand aufs Herz, gibt es so was überhaupt noch?

PREUSS: Ja, in der Rigaer Straße.

FRÄSDORF: In Berlin wird überall versucht, Leute aus ihren Wohnungen zu drängen. Ein Freund hat letztens 15 000 Euro geboten bekommen, nur damit er auszieht. Ich glaube aber auch, dass es noch Menschen gibt, die dagegen standhaft bleiben. Nicht unbedingt in Prenzlauer Berg, aber in Wedding, Neukölln oder eben in Kreuzberg.

Wie würden Sie Kreuzberg in drei Worten beschreiben?

PREUSS: Bunt, verrückt und …

FRÄSDORF: … laut.

Und das qualifiziert den Bezirk als perfekten Drehort für die Serie?

PREUSS: In der Serie geht es um Menschen zwischen Mitte zwanzig und Anfang dreißig, die in der Liebe noch nicht angekommen sind und ihren Platz im Leben suchen. Das ist für Berlin generell bezeichnend, aber ich glaube in einem bunten Bezirk wie Kreuzberg ist das noch mal verstärkt so.

Sie spielen in der neuen Sitcom die beiden Autorenkollegen und Ex-Liebhaber Wiebke und Jonas. Wie sind die beiden so?

PREUSS: Jonas ist sehr zielstrebig. Er ist nach Berlin gekommen, um was zu reißen. Und obwohl er sich immer wieder mit kleinen Stolpersteinen auseinandersetzen muss, verliert er nie seinen Humor. Für meine Rolle Wiebke ist er ein guter Kollege und ein guter Freund.

FRÄSDORF: Wiebke gibt ständig den Ton an. Aber ich glaube, Jonas ist ihr irgendwie dankbar dafür. Er braucht sie in der Serie als Gegenpol, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wie viel von Ihren Rollen steckt in Ihnen selbst?

PREUSS: Ich kenne einige, die wie Wiebke bis in die 30er noch Berufsjugendliche bleiben. Bei mir ist das anders. Ich musste durch meinen Beruf früh erwachsen werden und habe mit meiner Rolle eigentlich überhaupt nichts gemein. Ich mag es aber auch lieber, Charaktere neu zu erfinden, als mich selbst in die Rolle einzubringen.

FRÄSDORF: Ich denke, man kann das nicht eins zu eins vergleichen. Aber ich glaube schon, dass man sich an seine Figur annähern kann. Man guckt ja automatisch, was einem selbst bekannt vorkommt und versucht, sich in die Situation hineinzuversetzen.

In der Comedy-Serie gehören die beiden Hauptfiguren Wiebke und Jonas zur „Generation Beziehungsunfähig“. Ist das mit der Bindungsangst der 24- bis 32-Jährigen denn wirklich eine Generationensache oder vielleicht doch eher so ein Berliner Ding?

FRÄSDORF: Ich glaube, es ist vor allem eine Typsache. Es gibt bestimmt auch Menschen mit 60, die beziehungsunfähig sind. Es ist heutzutage einfach alles so schnelllebig und alle wollen immer weiter, immer besser und immer geiler sein. Die meisten Beziehungen, die ich kenne, werden nach zwei oder drei Jahren beendet. In meinem Freundeskreis sind kaum Paare länger als fünf Jahre zusammen.

PREUSS: Ich würde sagen, dass das schon mit der Großstadt an sich zu tun hat. Hier gibt es überall Versuchungen, denen man nur schwer widerstehen kann. Das Angebot ist so groß, dass man immer was Besseres haben will. Ich glaube dabei haben wir verlernt, um Beziehungen zu kämpfen.

Neben der Liebe geht es in der Serie ja auch darum, anzukommen. Wann glauben Sie, ist man angekommen?

FRÄSDORF: Nie. Wenn man ins Grab geht.

PREUSS: Ich denke, das muss jeder für sich selbst definieren. Ich glaube, wenn es so weit ist, hat man hat ein Gefühl von Sicherheit. Man hat ein gutes Leben, einen guten Job und einen festen Freundeskreis. Man weiß dann, was man will, und vor allem, was man nicht will.

Und Sie? Sind Sie im echten Leben angekommen?

PREUSS: Ja. Ich, ja.

FRÄSDORF: Nein, ich bin noch on the road.

Vier Folgen der Sitcom sind bereits gedreht. Ein Sendetermin für die Reihe steht allerdings noch nicht fest.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben