Neue Spielzeit : Petras will "Stadttheater für Berlin"

Neu-Intendant Armin Petras will das traditionsreiche Berliner Maxim Gorki Theater zu einem "Stadttheater für Berlin" entwickeln. Dass Geld für "angesagte" Regisseure fehlt, sieht Petras als Chance.

Berlin - "Ich war früher ein Gegner und ein Aggressor gegen das deutsche Stadttheater-System. Ich habe die Seiten gewechselt", sagte Petras. Er habe es als verstaubt und verödet wahrgenommen. Heute sei Theater einer der letzten sozialen Orte, wo es ein Gespräch geben könne. Am Freitag startet das Gorki-Theater mit einem Marathon auf verschiedenen Bühnen in seine erste Spielzeit unter dem 42-jährigen Petras. Der Berliner Senat finanziert das Haus mit knapp 500 Plätzen mit 8,3 Millionen Euro jährlich.

Das Gorki-Theater habe nicht "das große Geld", um die großen angesagten Regisseure wie Rene Pollesch, Stefan Pucher oder Michael Thalheimer zu bezahlen. "Das betrachte ich aber auch als Chance", sagte Petras. "Wir arbeiten jetzt mit jungen Regisseuren, die noch eine Generation jünger sind als ich." Es sei ihm aber auch gelungen, bekannte Regisseure wie Jan Bosse und Stefan Bachmann für Projekte zu verpflichten. "Ich brauche Regisseure, die ein kluges, bürgerliches Theater machen und die Schauspieler auch voranbringen", sagte Petras, der unter dem Pseudonym Fritz Kater auch als Dramatiker erfolgreich ist.

Neue Spielzeit mit Biller-Stück

Im Spielplan der neuen Spielzeit soll es sehr viel zeitgenössisches Theater geben. "Auf der Studiobühne sind ein ganzes Jahr lang nur lebende Autoren zu sehen. Das ist einzigartig", sagte der Intendant. Auf der großen Bühne werde der Romancier Maxim Biller mit der Uraufführung von "Menschen in falschen Zusammenhängen" zu sehen sein. Ob er selbst als Fritz Kater weiter schreiben wird, ließ der Regisseur und Neu-Intendant offen. "Das Schreiben ist quasi mein Hobby. Ich muss sehen, ob ich dazu weiter Zeit haben werde."

Petras studierte Regie in Ostberlin, siedelte 1988 nach Westberlin über und arbeitete danach als Regieassistent in Frankfurt am Main und München. Nach Engagements in Frankfurt (Oder), Chemnitz, Leipzig und Nordhausen war er bis 2002 Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel. (tso/ddp)

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