Berlin : Neue Stadtzeitung: Eine Nische ist gefüllt

Martin Schlögl

Eine neue Stadtzeitung für Jugendliche - das klingt zunächst nicht wirklich originell. Jason Krüger und seine Redaktionsmannschaft glauben trotzdem an ihren Erfolg. Sie haben jetzt das Magazin bee:berlin an den Start gebracht. Denn bisher bildeten Shopping, teure Restaurants und Nightlife jenseits des Schüler- und Studentenbudgets die wichtigsten Themen bei Tip und Zitty. 030 und der Flyer seien mehr oder weniger reine Veranstaltungs- und Terminblätter - und der Rest (u.a. Guide, Scheinschlag, Prinz Berlin) ist zwar regelmäßig präsent, werde aber kaum wahrgenommen. Da bleibt für bee:berlin eine genügend große Nische übrig, glaubt Jason Krüger, Koordinator und Chefredakteur.

"Von Jugendlichen, für Jugendliche" ist das Motto der Mannschaft um Krüger, der mit 22 Jahren schon zu den Senioren der Truppe von bee.berlin zählt. Älter als 25 sollte sowieso keiner der Mitarbeiter sein, "weil sonst der Bezug zur Zielgruppe verloren geht", so Krüger. Und dieser Bezug sei die große Stärke der neuen, kostenlosen Stadtzeitung. Schon die Nullnummer, im August mit einer 100 000er Auflage an Schulen, Universitäten, in Cafés, Kinos und Clubs verteilt, brachte überwiegend positive Reaktionen, so Krüger. Die Themen der ersten Ausgabe waren, neben den obligatorischen Kino- und Musiktipps, eine Praktikantenbörse im Internet, eine Vorher-Nachher-Reportage über das Abi 2000 und ein Bericht über das erste Unisemester.

In der aktuellen Ausgabe (die offizielle Nummer 1) gibt es einen Vorbericht auf die Jugendmesse YOU 2000, ein paar Tipps für den Schulbeginn und ein Fazit zu zwei Jahren Rot-Grün - aus Sicht der Jugendlichen, versteht sich. Ein Teil der Redaktion war schon vorher in der von 1995-1999 erscheinenden Stadtschülerzeitung "Aktiv" tätig. Aber gerade im letzten Erscheinungsjahr (1999) war bei vielen Mitarbeitern "die Luft raus", erklärt Krüger. Ein paar der Mitarbeiter wollten studieren, andere ihr Glück bei etablierten Medien versuchen.

Im selben Jahr noch entstand die Idee zu bee:berlin. "Das war und ist eine absolute Marktlücke. In Berlin leben 300 000 Leute im Alter von 15-25 Jahren. Unser Vorteil: Wir wissen am besten, was Jugendliche wollen, schließlich sitzt die Zielgruppe in der Redaktion. Es ist sehr wichtig, eine emotionale Bindung zu den Lesern aufzubauen." Aber für die Macher ist die Zeitung nicht nur Hobby, sondern eine Existenzgründung. "Bei uns können Jugendliche praxisnahe Medienerfahrung sammeln, die ganzen Abläufe kennen lernen. Das Schöneberger Südgelände (auf dem sich die Redaktionsräume befinden) soll eine Anlaufstelle für diejenigen werden, die einfach etwas machen wollen. Wir bieten technische Hilfe und die Möglichkeit, neue Ideen umzusetzen", so Krüger.

Derer gibt es momentan genug. Eine Vermarktungsagentur für jugendliche Kommunikation befindet sich gerade in der Gründungsphase, die Internetaktivitäten sollen erweitert werden und ein Jugendmedienverein, der junge Leute im Bereich Medien fit machen soll, ist auch in den Startlöchern. Über die Finanzierung der Zeitung macht sich Krüger keine Sorgen. Man arbeite zwar ohne Bankkredite, aber noch reichen die Eigenmittel zur Finanzierung aus. Ein weiterer Vorteil: "Wir sind Mitglied des bundesweiten Anzeigenverbundes Young Kombi, deren 22 Titel momentan eine Gesamtauflage von 413 000 Exemplaren haben." Das bedeutet, die Anzeigen, die über die Young Kombi, eine Firma mit Sitz in Hannover, geschaltet werden, erscheinen in allen 22 Jugendzeitschriften. Neben bee:berlin gibt es noch den Voyeur aus Hannover, Secrets aus Hamburg oder den Chemnitzer Spießer, um nur einige zu nennen. Alle Zeitungen im gleichen Format und im gleichen Umfang; nur die Themen sind natürlich von Stadt zu Stadt unterschiedlich.

bee:berlin soll monatlich mit einer Auflage von 120 000 Exemplaren erscheinen und an wichtigen Orten ausliegen. Bei so viel Enthusiasmus scheint dem Erfolg nichts im Weg zu stehen.

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