• Neue Straßen erinnern an jüdische Frauen Schilder am Holocaust-Mahnmal wurden aufgestellt

Berlin : Neue Straßen erinnern an jüdische Frauen Schilder am Holocaust-Mahnmal wurden aufgestellt

Lothar Heinke

Wenn das Holocaust-Mahnmal ab 12. Mai für jedermann zugänglich ist, stehen gleichzeitig drei neue Straßen für den Verkehr in Mitte zur Verfügung: die Hannah-Arendt-Straße, die das Mahnmal an seiner Südseite begrenzt und direkt in die Ebertstraße mündet, und, am östlichen Rand des Denkmals, die Cora-Berliner-Straße, die in die Behrenstraße mündet, sowie – Richtung Voßstraße – die Gertrud-Kolmar-Straße. Gertrud Kolmar war Lyrikerin, sie wurde Anfang März 1943 in Auschwitz ermordet. Cora Berliner, Wirtschaftsexpertin, erlitt dieses Schicksal 1942 in Theresienstadt, die jüdische Philosophin Hannah Arendt emigrierte und starb 1975.

Das Mahnmal liegt also quasi auf einer Verkehrsinsel und wird (siehe Grafik) zum Tiergarten hin von der Ebert-, Richtung Norden von der Behren-, im Osten von der Cora-Berliner- und nach Süden durch die Hannah-Arendt-Straße begrenzt. Auf den Fußwegen entlang des Stelenfelds wurden die ebenerdigen Stelenplatten niveaugleich in den Fußboden eingelassen. „Dieses unscheinbare, aber künstlerisch wichtige Detail macht deutlich: Das historische Geschehen der Judenverfolgung und -ermordung begann vor aller Augen in der Öffentlichkeit und ist heute als Erinnerung auch im öffentlichen Straßenraum präsent“, heißt es bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden.

Die offizielle Eröffnungsfeier des Denkmals mit über 1000 Gästen, darunter Überlebenden des Holocaust und Vertretern vieler jüdischer Organisationen, findet am 10. Mai statt. Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder sind dabei, wenn ARD und ZDF das Ereignis live übertragen. Ab 12. Mai ist dann das Feld der 2711 Stelen für jedermann rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr öffentlich zugänglich, ohne Zaun, Einlass oder Eintritt. Auch der Zugang zu dem unterirdischen Ort der Information (täglich zwischen 10 und 20 Uhr) ist kostenlos, allerdings ist hier wegen Sicherheitskontrollen mit Wartezeiten zu rechnen.

An den neuen Straßen werden mit Hochdruck restliche Arbeiten erledigt, die neuen Straßenschilder montiert, Parkautomaten aufgestellt. Ein Parkstreifen der Hannah-Arendt-Straße ist Omnibussen vorbehalten; die Stiftung rechnet damit, dass das Denkmal von vielen Gästen bei Stadtrundfahrten oder mit auswärtigen Bussen besucht wird.

Die neuen Straßen sind mit zahlreichen Laternen ausgestattet, an den Rändern wurden Bäume gepflanzt, 41 Neupflanzungen gab es auch im Stelenfeld an der Westseite zur Ebertstraße – als Übergang zum Baum-Grün im gegenüberliegenden Tiergarten. Hier wird noch an der Erneuerung der Asphaltdecke der Ebertstraße gearbeitet, auch sie wird am 10. Mai fertig sein. Danach soll die Hannah-Arendt-Straße durch das Wohngebiet führen und bis zur Wilhelmstraße verlängert werden.

Gegenüber dem nördlichen Teil des Mahnmals, zwischen Behrenstraße und Brandenburger Tor, ist die nächste Großbaustelle unübersehbar – sie wird durch einen ungewöhnlich hohen Drahtzaun geschützt, von uniformierten Sicherheitsleuten bewacht und nachts taghell erleuchtet: der Neubau der Amerikanischen Botschaft.

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