Berlin : Neue Straßennamen in Berlin – fast immer gibt es Ärger

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Straßenumbenennungen sind ein Kapitel für sich. Die Tumulte um die Rückbenennung der Spandauer Kinkelstraße in Jüdenstraße sind zwar beispiellos, weil der AntisemitismusVorwurf eine Rolle spielt, aber Ärger gab es oft. Mehrfach mussten Gerichte entscheiden. Für die Anwohner sind Adressenänderungen auf Briefköpfen und in Ausweisen unbequem.

In den Bezirken, denen die Straßenbenennung zusteht, ging es oft nicht ohne politische Kämpfe ab. Noch komplizierter ist es im Regierungsviertel; dort müssen sich Bund, Land und Bezirk einigen. So wehrte sich Anfang der neunziger Jahre das Bezirksamt Mitte gegen die Rückbenennung der Otto-Grotewohl-Straße (Ost) in Wilhelmstraße. Schließlich zog der damalige Bausenator die Wiedervereinigung der seit 1734 so genannten Wilhelmstraße an sich. Das Oberverwaltungsgericht wies eine Klage von Anwohnern ab. Der seit einem Jahr amtierende Parlamentspräsident Walter Momper gab dem Abgeordnetenhaus überhaupt erst die vollständige Adresse: Niederkirchnerstraße 5, 10111 Berlin-Mitte. Die ist nun nicht mehr umstritten wie beim Einzug in den Preußischen Landtag 1993. „Das Gedankengut einer Kommunistin ist für mich keine Grundlage für unser Parlament“, hatte die frühere Präsidentin Hanna-Renate Laurien entschieden und als Adresse nur die Postleitzahl 10111 Berlin angeordnet. Der Ost-Berliner Magistrat hatte 1950 die Prinz-Albrecht-Straße nach der von den Nazis im KZ-Ravensbrück ermordeten Kommunistin Käthe Niederkirchner benannt. Seit Jahren streiten Steglitzer Bezirksverordnete um die Umbenennung der Treitschkestraße in Kurt-Scharf-Straße. SPD und Grüne wollen sie mit Hilfe des Senats durchsetzen. Kürzlich wurde die Straße symbolisch nach dem einstigen evangelischen Bischof umbenannt, ein Votum gegen den Historiker Heinrich von Treitschke (1834 bis 1896) wegen dessen antisemitischer Grundhaltung. Auch die Flatowallee (früher Reichssportfeldstraße) wurde gegen Anwohnerklagen durchgesetzt – zu Ehren der deutsch-jüdischen Sportler Alfred und Gustav-Felix Flatow, die 1896 in Athen Olympisches Gold holten und von den Nazis ermordet wurden. Es gab auch Kompromisse. 1986 verzichtete Wilmersdorf auf die Rückbenennung der Auerbacher Straße in Auerbachstraße. Man begnügte sich mit Hinweisschildern auf den jüdischen Namensgeber. Die Nazis benannten die Straße in Auerbacher Straße um; ob nach einem Ort im Vogtland oder in Hessen, war unklar. Gru

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