Berlin : Neue Strecke mit alten Zügen

Bahn kann für Verbindung nach Hamburg eigens gekaufte Fahrzeuge nicht einsetzen – die Zulassung fehlt

Klaus Kurpjuweit

Bei der neuen Vorzeigestrecke der Bahn zwischen Berlin und Hamburg gibt es eine weitere Panne. Nachdem die Bahn zunächst auf der für 650 Millionen Euro ausgebauten Schnellfahrstrecke ausgerechnet die schnellsten Züge in ihren Städteverbindungsheften vergessen hatte und am Premierentag ein ICE liegen geblieben war, bestätigte die Bahn jetzt, dass sie derzeit dort nicht ihre neuesten Züge einsetzen kann, die sie extra für diese Verbindung bestellt hatte.

Denn die jetzt gelieferten ICE-Züge haben noch keine Zulassung für Tempo 230; sie dürfen nur mit 200 km/h fahren. Um die Rekordreisezeit von 90 oder auch 93 Minuten zu erreichen, müssen die Züge jedoch auf 230 km/h beschleunigen können. Auf der Vorzeigeverbindung zwischen Berlin und Hamburg sind jetzt ältere Fahrzeuge unterwegs, die Tempo 230 fahren dürfen. Die fabrikneuen Züge, die bis Sonntag, als nur Tempo 160 erlaubt war, auch nach Hamburg fuhren, wurden umstationiert.

Bei den seit Herbst gelieferten ICE-T-Zügen fehlten noch die letzten Abnahmefahrten, ohne die die Geschwindigkeit nicht auf 230 km/h heraufgesetzt werden könne, sagte eine Bahnsprecherin. Die Bahn hat 28 ihrer Neige- ICE-Züge, ICE-T genannt, nachbestellt. Die erste Generation ist seit 1999 im Einsatz. Für die Strecke nach Hamburg waren sechs zusätzliche Einheiten erforderlich, die deshalb vorzeitig von der Industrie geliefert werden mussten. Deshalb habe die Zeit für die letzten Abnahmefahrten zur Genehmigung von Tempo 230 gefehlt, so die Sprecherin.

Zwischen Hamburg und Berlin könnte die Bahn auch ihre anderen ICE-Züge fahren lassen, die mühelos Tempo 230 schaffen. Doch auf dem Weg nach Süden Richtung München könnten diese für Neubaustrecken konzipierten Fahrzeuge den Fahrplan dann nicht mehr einhalten, weil sie auf alten Strecken nur langsamer fahren können. Hier macht der ICE-T Tempo, weil er sich in den Kurven wie ein Motorradfahrer neigen kann.

Dass die neuesten Fahrzeuge noch nicht nach Hamburg fahren, freut auch einige Fahrgäste. In den neuen Zügen gibt es nämlich keinen Speisewagen mehr, sondern nur noch einen Bistrobereich.

Inzwischen hat die Bahn ihre alten Hefte mit den fehlenden ICE-Verbindungen eingezogen und durch neue ersetzt. Auf dem Titelblatt wirbt sie für die neue Strecke, auf der ab 15. 12. die neue Bestzeit gelte. Fahrplanwechsel war jedoch bereits am 12. Dezember. Immerhin fuhren gestern die – alten – Züge pannenfrei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar