Neue Tarife ab 2014 : Berliner Bäder: Mehr Besucher und höhere Eintrittspreise

Die Bäderbetriebe wollen länger öffnen und so mehr Gäste anlocken – doch auch die Preise werden steigen. Mehreinnahmen erhofft man sich auch durch die Wiedereröffnung mehrerer geschlossener Schwimmbäder.

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Selbst dieses Vergnügen wird teurer. Die Eintrittspreise der Bäderbetriebe werden steigen, auch im Steglitzer „Spucki“.
Selbst dieses Vergnügen wird teurer. Die Eintrittspreise der Bäderbetriebe werden steigen, auch im Steglitzer „Spucki“.Kai-Uwe Heinrich

Um finanziell über die Runden zu kommen, müssen die öffentlichen Schwimmbäder in Berlin mehr Geld einnehmen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Mehr Besucher und höhere Eintrittspreise. Auf diesem Weg sollen im nächsten Jahr 5,4 Millionen Euro zusätzlich in die Kasse der Bäderbetriebe fließen. Dazu gehören neue Tarife, die ab Januar 2014 gelten. Stammgäste und Schwimmer, die ihr Bad wochentags zwischen 11 und 14 Uhr nutzen, können preiswerter schwimmen. Am späten Nachmittag und abends wird die Eintrittskarte voraussichtlich teurer. Die landeseigenen Bäderbetriebe versprechen eine „sozial ausgewogene Tarifstruktur“, die am 1. November vom Aufsichtsrat zusammen mit dem neuen Wirtschaftsplan abgesegnet werden soll.

Neue Ticketpreise, aber auch die Wiedereröffnung der Schwimmhalle Finckensteinallee und der Kombibäder Gropiusstadt und Spandau-Süd im Frühjahr oder Sommer 2014 sollen die Einnahmen der Bäderbetriebe um 2,2 Millionen Euro erhöhen. Hinzu kommen 3,2 Millionen Euro durch längere Öffnungszeiten (seit Beginn der Hallensaison in elf Bädern), durch die Verkürzung wartungsbedingter Hallenschließzeiten und Zuschläge fürs Warm- und Freizeitbaden. Weitere 700 000 Euro wollen die Bäderbetriebe mit Fitnesskursen, Baden mit Musik, Massagen, Gastronomie und anderen attraktiven Angeboten einnehmen.

Kurzfristig helfen diese Mehreinnahmen, einen ausgeglichenen Wirtschaftsplan aufzustellen. Langfristig wird das nicht reichen, um alle 63 Hallen-, Sommer- und Seebäder zu erhalten. Denn der größte Badbetreiber Europas ist chronisch unterfinanziert, obwohl in den vergangenen zehn Jahren 200 Personalstellen gestrichen und auch andere betriebliche Kosten verringert werden konnten. Aber das teure Programm zur Sanierung der Berliner Schwimmbäder greift nicht. Über 76 Millionen Euro wurden seit 2007 in die Reparatur von Dächern und Heizungen, Wasseraufbereitung, Wärmedämmung und Barrierefreiheit gesteckt, doch „der sichtbare Gewinn für die Nutzer war und ist nur vereinzelt festzustellen“, bilanziert die Sportverwaltung des Senats. Der Umfang der notwendigen Sanierungsmaßnahmen sei „in der Regel weitaus größer als ursprünglich geplant“.

Um im Bild zu bleiben: Berlins Schwimmbäder sind ein Fass ohne Boden. Die bisher praktizierte „Sanierung im Bestand“ mit sehr begrenzten öffentlichen Mitteln hat die meisten Bäder nicht attraktiver gemacht und kann den baulichen und technischen Verschleiß nur eindämmen, aber nicht aufhalten. Schon 2006 warnte die Sportverwaltung vor einem rasanten Substanzverlust. „Es besteht die Gefahr, dass die Bäder Schritt für Schritt geschlossen werden müssen.“

Die rigide Sparpolitik seit 2002 hat diesen Zustand zwar nicht herbeigeführt, aber enorm beschleunigt. Damals wurden die Zuschüsse brutal gekürzt, die 1996 als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründeten Bäderbetriebe lebten über viele Jahre von der Hand in den Mund. Auch der aktuelle Jahreszuschuss aus dem Landeshaushalt von 50 Millionen Euro, davon 5 Millionen Euro für investive Zwecke, ist nicht auskömmlich.

Hinzu kamen „schwerste Managementfehler“, die unabhängige Sachverständige schon vor zehn Jahren beklagten. Eine professionelle, kreative Geschäftsführung fehlte bis vor kurzem. Nun ruhen die Hoffnungen der Politik auf dem neuen Bäderchef Ole Bested Hensing, der voraussichtlich im Februar 2014 ein neues Bäderkonzept vorstellen wird.

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