Berlin : Neue Töne am Schloßplatz

Kunst statt Kutschen: Die Hochschule für Musik Hanns Eisler zieht ins alte Marstallgebäude an der Spree. Zur Eröffnung am Sonntag kommt Simon Rattle

Carsten Niemann

Christhard Gössling stutzt, bevor er den Fahrstuhl betritt: „Passt da auch ein Kontrabass rein?“ Den Blick für das Pragmatische hat der Rektor der Hochschule für Musik Hanns Eisler behalten. Dabei ist er gerade Hausherr einer der besten Adressen Berlins geworden: Schloßplatz 7, ehemaliger Marstall des Berliner Schlosses. Hier waren kaiserliche Pferde und Kutschen untergebracht.

Zu DDR-Zeiten dienten die Räumlichkeiten als Verwaltungstrakt für den Palast der Republik. Später gingen sie aus dem Besitz des Bundes an das Land Berlin über. Das trat im Gegenzug das zweite Haus der Hanns-Eisler-Hochschule in der Wilhelmstraße an den Bund ab. Schon 1998 gewann das junge Berliner Architektenbüro von Claus Anderhalten den Wettbewerb zum Umbau für die Musikhochschule, doch das Warten auf den Einzug wurde zur Zitterpartie. „Die Begehrlichkeiten nach den Räumen waren groß“, berichtet Gössling. Kritiker stellten sogar die Notwendigkeit einer zweiten Berliner Musikhochschule neben der Universität der Künste in Frage.

Doch die Hochschule setzte sich durch: „Musiker gehören in die Mitte der Gesellschaft und brauchen den Kontakt zum Publikum schon während des Studiums“, so ihr Argument. Und weil sie ihr Profil im Zuge der Diskussionen um die Hochschulreform zu einer Art musikalischen Elitehochschule schärfte, passt sie erst recht in den Repräsentationsbau. Demonstrativ holt man sich eine Exzellenz ins Haus: Bei der Eröffnungsfeier am Sonntag wird Sir Simon Rattle, dem Chefdirigenten der Philharmoniker, die Ehrensenatorwürde der Hochschule verliehen. Ab Montag ist dann eine Ausstellung im Foyer über den Umbau vorgesehen. Sie ist montags bis freitags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Ende April beginnen die regelmäßigen Konzerte und Vortragsabende in dem 300 Personen fassenden „Krönungskutschensaal“ und den beiden kleineren „Galakutschensälen“. Statt Prunkkarossen sollen ab 13. Mai besondere „Exzellenz-Konzerte“ unter der Schirmherrschaft von Daniel Barenboim zum Aushängeschild des Hauses werden. Jeden zweiten Freitag im Monat um jeweils 18 Uhr werden sich Preisträger und andere herausragende Studierende in einer Stunde Musik präsentieren. Gössling ist zuversichtlich, dass die After-Work-Konzerte zur festen Größe im Berliner Musikleben werden.

Das ziegelrote Mauerwerk strahlt festliche Wärme und zugleich Werkstattatmosphäre aus. Weiße Kunststoffelemente verbreiten edle Lichtreflexe und eine leichte Lounge-Atmosphäre. Eine Galerie und große Kugelleuchten füllen den hohen Raum mit etwas barocker Grandezza. Im Spreeflügel wurden drei neue Galeriegeschosse mit Übungszellen eingefügt. Freche Grüntöne und Vollklimatisierung schützen die Musiker vor physischer und emotionaler Überhitzung – vielleicht sogar vor Lampenfieber.

Den Rektor kann der Hausmeister beruhigen: „Der Kontrabass“, weiß er, „der passt.“

Veranstaltungsprogramm unter Telefon 90269-805 oder www.hfm-berlin.de

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