Berlin : Neue Töne in der Nalepastraße

Investor präsentiert Pläne fürs Funkhaus. Land will Billigverkauf akzeptieren

Stefan Jacobs

Der Senat will voraussichtlich nicht an dem umstrittenen Billigverkauf des früheren DDR-Rundfunkgeländes rütteln. Das sagte Finanzstaatssekretär Klaus Teichert im Medienausschuss des Abgeordnetenhauses. Nach seinen Angaben trüge Berlin bei einer Anfechtung des Vertrages das komplette Risiko der juristischen Auseinandersetzung – „und daran kann das Land kein Interesse haben“.

Die Grünen reagierten empört, weil nun der private Spekulant den Millionengewinn einstreichen dürfte, der das Gelände im November für nur 350 000 Euro von der öffentlichen Hand gekauft und später allein einen von drei Grundstücksteilen für 3,9 Millionen Euro wieder abgestoßen hat. Der neue Investor will diese Summe allerdings noch herunterhandeln, weil einige Angaben zum Objekt nicht korrekt gewesen seien. Bis 15. September soll eine Einigung erreicht sein. Als Gast der Sitzung präsentierte Albert Ben-David seine Pläne für das Areal mit den denkmalgeschützten Studios und Sälen. Der Grieche ist Geschäftsführer der Investorengruppe Keshet, die das Kerngelände dem Spekulanten abgekauft hat und zu einem Medienstandort entwickeln will.

Nach seinen Angaben sollen binnen sechs Monaten die Mietverträge neu verhandelt und langfristig fixiert werden, so dass die auf dem Gelände ansässigen Firmen – die meisten stammen aus der Medienbranche – Planungssicherheit haben. Zur Frage der Abgeordneten nach den Konditionen sagte Ben-David: „Die Kasse muss ebenso stimmen wie die Atmosphäre – für alle Beteiligten.“ Noch sei allerdings nicht einmal geklärt, welche Teile der maroden Gebäude aus den 50er Jahren überhaupt vermietbar sind. Für die wegen ihrer Akustik weltberühmten Studios gibt es nach Auskunft von Ben-David bereits Buchungsanfragen aus den USA und aus Spanien. Ein anderer Gebäudeteil solle für Büros hergerichtet werden; das Gelände an der Spree eigne sich besonders für Restaurants und Geschäfte. Auch eine Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Hanns Eisler sei denkbar. „In zwölf Monaten werden Sie ein völlig anderes Bild von dem Gelände bekommen“, versprach Ben-David. Zugleich bat er Politik und Verwaltung um „moralische Unterstützung“. Auf die Nachfrage von Abgeordneten, welche Förderung er von der öffentlichen Hand erwarte, erwiderte er: „Ich habe nicht von finanzieller Unterstützung gesprochen.“ Die Politiker nahmen seine Aussagen mit Wohlwollen zur Kenntnis.

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