Berlin : Neue Torhüter gesucht

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Auf den Tag genau vor 20 Jahren wurde die Quadriga unter den Augen vieler Schaulustiger von ihrem Podest auf dem Brandenburger Tor gehievt. Im Freuden- und Alkoholrausch der Ost-West Silvesterfeier 1989/1990 hatte das Wahrzeichen Berlins erheblichen Schaden genommen und musste zur Reparatur gebracht werden. Über 500 Personen gleichzeitig sollen zeitweise auf dem historischen Gebäude herumgeklettert sein – eine Ausnahmesituation.

Im Alltag kümmert sich jetzt ein Wachschutz um die Sicherheit der populärsten Sehenswürdigkeit der Stadt. Die Senatsverwaltung für Kultur hat die Stelle kürzlich im Amtsblatt neu ausgeschrieben. Ab Mai soll das neue Wachpersonal seinen Dienst antreten und das Tor vor allem vor Vandalismus, Schmierereien und Zerstörungen schützen. „Der Hausmeister kann das Brandenburger Tor, die beiden Torhäuser und das umliegende Gelände nicht alleine beaufsichtigen“, sagte ein Sprecher der Kulturverwaltung der Nachrichtenagentur ddp. Firmenangebote müssten bis zum 9. April eingehen.

Den Schutz von Wahrzeichen und Museen lasse sich das Land Berlin „eine nicht unerhebliche Summe Geld“ kosten, teilte der Sprecher mit. Allein für die Wächter des Brandenburger Tors kalkuliere man mit einem sechsstelligen Betrag. Die genauen Kosten wollte der Sprecher mit Blick auf die laufende Ausschreibung allerdings nicht nennen.

Heute klettern zwar höchstens noch Umweltaktivisten oder Touristen an dem Gemäuer herum, sagt der Sprecher der Kulturverwaltung. Trotzdem ist seit der gründlichen Sanierung im Jahr 2002 rund um die Uhr ein Wachschutz eingesetzt. Der Vertrag mit dem momentanen Sicherheitsdienst laufe aber aus, deswegen sei der Job nun neu ausgeschrieben.

Zerstörungen wie die im Jahr 1989 kann natürlich auch ein Wachdienst nicht verhindern. Es war die Silvesternacht, nicht einmal zwei Monate nach dem Fall der Mauer. Tausende strömten zur gesamtdeutschen Silvesterfeier. Das DDR-Fernsehen lockte seit Tagen mit einem deutsch-deutschen Konzert und kostenlosem Sekt. Zwischen 500 000 und einer Million Menschen kamen, und mit ihnen das Chaos. Der Überschwang der Feiernden und wohl auch der viele Alkohol führten schließlich zum Desaster. Die Polizei zählte schließlich 271 Verletzte und sogar einen Toten. Er starb vermutlich beim Zusammenbruch einer Videoleinwand, auf die Dutzende Menschen geklettert waren.

Schweren Schaden hatte auch das Brandenburger Tor genommen, auf das 530 Randalierer gleichzeitig geklettert sein sollen, berichtete der damalige Ost-Berliner Polizeivizepräsident Hartmut Preiß. Rund 200 davon konnte die Feuerwehr über Leitern und durch eine Luke im Dach des Brandenburger Tors wieder herunterholen, doch die Quadriga war bereits völlig demoliert Die Reparatur kostete seinerzeit 1,5 Millionen DDR-Mark.Sidney Gennies

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