Berlin : Neue Vertretungen: Erinnerung an den Fliegenden Hamburger

Lo.

Das schönste Eröffnungsgeschenk für die neue Hamburger Landesvertretung in der Jägerstraße hatte der Ehrenbürger der Hansestadt, Helmut Schmidt, mitgebracht - eine geschliffene Rede, recht eigentlich eine Liebeserklärung an Berlin, jene Stadt, die der einstige Bundeskanzler seit seiner Schulzeit ins Herz geschlossen hat. "Ich bin überzeugt: Berlin wird wiederkommen, und die Stadt wird seelisch zusammenwachsen." Sie war einst ein höchst kreativer Schmelztiegel und wird es wohl wieder werden, wiewohl es bis zur Wiedergeburt als kulturelle Weltstadt noch etwas dauert. Helmut Schmidt plädierte für bessere Beziehungen beider Städte, die Flugverbindungen seien skandalös teuer und der "Fliegende Hamburger" war schneller als die Bahn von heute. In Berlin mißfallen ihm die Gigantomanie des neuen Bundeskanzleramtes, die angeberischen Abgeordnetenbauten und auch das allzu riesig dimensionierte Denkmal für die ermordeten Juden, im Gegensatz zur Schlichtheit der Neuen Wache. "Man muss maßhalten können - als Nation und als Millionenstadt", mahnte Helmut Schmidt und bezeichnete die Landesvertretung als Beispiel für Bescheidenheit im öffentlichen Auftritt, die die Hamburger auszeichnet.

Die repräsentativen Gebäude an der Ecke der Jäger- und Mauerstraße mit ihren Neo-Renaissance- und gründerzeitlichen Fassaden von 1871 und 1892 gehörten einst dem großbürgerlichen (Männer-)"Club von Berlin" und zuletzt dem Kulturbund der DDR als "Klub der Kulturschaffenden". Die modern gestalteten Räume und Säle wirken noch ganz ohne Kunst (über die erst eine Jury befindet) sachlich und kühl, im Bierkeller dagegen recht gemütlich.

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