Neue Vorwürfe gegen Olympiastadion-Chef : "Gala" schrumpft zu Kaffeekränzchen

Joachim E. Thomas soll falsch abgerechnet und kostenlose Besichtigungen des Stadions erlaubt haben. Eine Insiderin allerdings nennt einen der Vorwürfe "Quatsch".

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Der Ex-Chef des Olympiastadions: Joachim E. Thomas.
Der Ex-Chef des Olympiastadions: Joachim E. Thomas.Foto: Thilo Rückeis

Der wegen seines teuren, von einem Sponsor gestellten Dienstwagens in der Kritik stehende Chef des Olympiastadions muss sich neuer Vorwürfe erwehren. Demnach soll Joachim E. Thomas, der Geschäftsführer der Olympiastadion GmbH ist, unkorrekt Tankbelege abgerechnet und zahlreiche Hotelquittungen eingereicht haben, welche die erlaubte Obergrenze von 80 Euro überschritten hätten. Bonuspunkte, die auf Dienstreisen erworben wurden, sollen zudem nicht dienstlich genutzt worden sein, die GmbH soll unkorrekt Verpflegungsmehraufwendungen an Thomas bezahlt haben, der GmbH-Chef soll ohne triftigen Grund mehrfach Business statt Economy geflogen sein und die SPD-Abgeordnete und Ex-Finanzstaatssekretärin Iris Spranger soll kostenlos eine Stadionführung samt Empfang erhalten haben, obwohl dies normalerweise rund 2000 Euro kosten würde. Das alles hat die „BZ“ berichtet.

Von Thomas war erneut keine Stellungnahme zu erhalten. Dafür redete Iris Spranger. Die SPD-Politikerin, Mitglied des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus, kommentierte die Vorwürfe gegen sie zusammenfassend so: „Das ist alles Quatsch.“

Dienstliche Fragestunde im Stadion

Konkreter klingt es so: Im Dezember 2013 habe sie, zusammen mit anderen Mitgliedern des Abgeordnetenhauses, BVV-Vertretern und Stadträten, das Olympiastadion besichtigt. Alle Teilnehmer hätten diesen Termin in ihrer dienstlichen Funktion absolviert, „da waren zum Beispiel auch Sportpolitiker dabei“. Es sei um Fragen des Sports, etwa im Zusammenhang mit dem Tempelhofer Feld, gegangen. „Natürlich war auch der Chef des Olympiastadions dabei. Dem haben wir Fragen gestellt.“ Das sei schließlich ihre Aufgabe gewesen.

Und von Empfang könne sowieso keine Rede sein. „Wir haben den Innenraum besichtigt und danach hat man uns in einen Raum gesetzt, in dem wir Fragen gestellt haben.“ Es habe Kaffee und Kuchen gegeben. „Und den haben wir sogar selber bezahlt“, sagte Iris Spranger dem Tagesspiegel. „Das waren fünf Euro. Im Nachhinein bin ich sogar froh darüber, dass wir das gemacht haben.“

Sie sei „sehr verwundert“ über die Vorwürfe, sagte Spranger. Denn es geht ihr jetzt ums Grundsätzliche. „Wo kommen wir denn hin, wenn wir als Abgeordnete nicht mehr kostenlos Einrichtungen des Landes besuchen können? Es muss ja wohl möglich sein, dass der Haushaltsgesetzgeber kostenlos seine Einrichtungen besichtigt.“ Sie sei ja nicht als Privatperson dort gewesen. Und deshalb, betont sie, „bin ich da völlig relaxt“.

Auch den Vorwurf, Hotelrechnungen hätten die erlaubte Obergrenze von 80 Euro überschritten, muss man differenziert betrachten. Üblich ist – generell – in solchen Fällen, dass es einen Ermessensspielraum gibt. Eine feste Summe gilt nicht als Dogma. Wenn es im Einzelfall angebracht und begründbar ist, kann die Summe auch mal höher liegen. Diese Regelung ist nicht bloß auf ein Unternehmen oder eine Einrichtung beschränkt. In München zur Zeit des Oktoberfestes ein Hotelzimmer für 80 Euro zu finden – als Beispiel –, dürfte schwer möglich sein.

Die Vorwürfe basieren offenbar auf einem Gutachten, das der Aufsichtsrat in Auftrag gegeben hat. Mitglieder des Kontrollgremiums halten sich im Fall Thomas bedeckt. Klaus Böger, der Präsident des Landessportbundes (LSB), lässt über den LSB-Pressesprecher mitteilen: „Wir geben keinen Kommentar ab, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt.“ Und Monika Randow von der Senatsverwaltung für Finanzen sagte dem Tagesspiegel: „Der Aufsichtsrat wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Bis dahin geben wir keinen Kommentar ab.“ Die nächste Sitzung des fünfköpfigen Aufsichtsrats findet in der kommenden Woche statt.

In Fachkreisen ist Thomas hoch angesehen. Ein Experte, der den GmbH-Chef seit Jahren kennt, sagte: „Er hat herausragende Sportereignisse in Berlin gut begleitet. Berlin hat gerade eine Verlängerung des DFB-Pokalfinales erhalten. Das spricht dafür, dass im Stadion alles wunderbar funktioniert.“ Dennoch steht Thomas unter Druck, sich den Vorwürfen zu stellen. Und sich nicht nur in der Öffentlichkeit zu erklären.

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