Berlin : Neue Wege für Kolosse

Der Borsighafen wird ausgebaut und damit zum Transportweg für riesige Industrieanlagen

Rainer W. During

Bis zu sechs Meter sind die Stahlkolosse lang, wiegen bis zu 450 Tonnen – und das ist für die Berliner Straßen allmählich eine Nummer zu groß. Die Maschinen, die die Borsig GmbH und die MAN Turbo AG in Tegel zum Beispiel für die chemische Industrie bauen und in alle Welt exportieren, überschreiten damit die Tragfähigkeit der Hauptstadtbrücken. Deshalb wird jetzt der alte Borsighafen für 2,6 Millionen Euro reaktiviert und ausgebaut. Da der Transport der Maschinen nur noch auf dem Wasserweg möglich ist, hätten die Unternehmen die Produktion ansonsten verlagern müssen.

Bisher wurden die Kompressoren, Kessel und Turbinen mit ebenso teuren wie komplizierten Schwertransporten zur Verschiffung in den Westhafen gebracht. „Doch unsere Apparate werden immer größer, weil die Chemieanlagen immer größer werden“, sagt Konrad Nassauer, Geschäftsführer der Borsig Industrieholding. Den bisher größten Einzelauftrag in der Firmengeschichte – ein 25 Millionen US-Dollar teures Aggregat zur Ölvergasung in China – konnte das Unternehmen deshalb nur unter der Voraussetzung annehmen, dass der Hafen bis zum Frühjahr 2008 fertiggestellt ist.

Die Nachfrage nach den Megamaschinen ist groß. Borsig wird deshalb die Fabrikationsfläche um 4000 Quadratmeter erweitern. MAN investiert angesichts des Hafenausbaus zwei Millionen Euro in neue Fertigungsmaschinen und schafft so auch 50 zusätzliche Jobs, sagt Standortleiter Ralf Thon. Insgesamt werden rund 800 Industriearbeitsplätze auf dem Areal an der Egellsstraße gesichert. 90 Prozent der Baukosten werden durch Fördermittel der EU finanziert. Den Rest zahlt der neue Grundstückseigentümer – die britische Dazzle-Group. Geplant ist, auf dem 170 000 Quadratmeter großen Areal weitere Firmen, etwa Zulieferbetriebe, anzusiedeln.

Den Hafen hatte einst August Borsig angelegt, um Kohle und Erz für die Eisengießerei und das Kraftwerk auf dem Werksgelände umzuschlagen. Jetzt werden eine neue Kaimauer und am Ufer eine Verladerampe gebaut, von der die schweren Aggregate mit Hilfe von Kränen auf die Transportschiffe gehievt werden können. Außerdem muss die für Schwertransporte geeignete Straße verlängert werden.

Ein solches Projekt gemeinsam und über Parteigrenzen hinweg zu realisieren sei die eigentliche Aufgabe der Politik, sagte Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU). Gebaut wird der Hafen vom Bezirksamt Reinickendorf. Die Arbeiten werden europaweit ausgeschrieben und sollen nach dem Vorliegen der erforderlichen Gutachten im Frühjahr beginnen. Auch Drittfirmen sollen den Hafen nach der Fertigstellung als Umschlagplatz nutzen können.

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