Berlin : Neue Zauberer braucht das Land

Morgen öffnet der „Close-Up-Club“ – und verspricht Tricks ohne Kaninchen und Altherrenwitze

Sebastian Leber

Wer den Anfang der Show miterlebt, mag kaum glauben, dass es sich beim „Close-Up-Club“ um eine Veranstaltung für Erwachsene handelt: Fünf Männer laufen zur Melodie von Miss Marple um einen Stuhl herum – stoppt die Musik, raufen sich die Männer um den freien Platz. Der Sieger darf anschließend den ersten Trick vorführen.

Dieses Intro sei überaus wichtig, sagt Zauberer Axel Hecklau, so werde sichergestellt, dass die Vorstellung spontan und unvorhersehbar ablaufe. Gemeinsam mit vier befreundeten Profi-Zauberern hat er sich zum Close-Up-Club zusammengeschlossen, um ab dem morgigen Dienstag ein „deutschlandweit einzigartiges Zauberkonzept“ in den Hackeschen Höfen in Mitte auszuprobieren. Mit ihren Tricks wollen sich die Künstler von „alten, überkommenen Zaubertraditionen“ absetzen: Weiße Kaninchen aus dem Zylinder gebe es beim CloseUp-Club mit Sicherheit nicht. Viele altbackene Zauberer bemerkten leider nicht einmal, dass sie ihr Publikum langweilten, sagt Kollege Olaf Kohrs: „Sich in Glitzersakko werfen und Altherrenwitze reißen, das ist uns zu wenig.“ Eine zentrale Idee des Projekts verrät der Name der Veranstaltung: „Close Up“, also ganz nah dran möchten die Zauberer ihrem Publikum sein. Deswegen werden nur 40 Gäste pro Vorstellung zugelassen, die Künstler mischen sich unter die Leute und „rauben ihnen den Verstand“, wie Hecklau verspricht. Zwölf Monate haben die Zauberer am Projekt gearbeitet, sich eine Bandbreite an möglichen Tricks zurechtgelegt, die sie je nach Verlauf des Abends präsentieren können. Viel Gedankenleserei sei dabei und einiges, was die Grundgesetze der Physik außer Kraft setze: „Newton würde sich im Grabe umdrehen.“

Trotz der langwierigen Vorbereitungsphase könne man niemals ausschließen, dass ein Trick in die Hose gehe, sagt Hecklau. Zum Beispiel habe er einmal einen Tisch schweben lassen wollen, der dann in einem Meter Höhe unerwartet – und unter dem Gejohle des Publikums – in seine Einzelteile zerbrach. Derartige Missgeschicke schadeten einem Zauberkünstler nicht, sondern machten ihn menschlicher, sagt Olaf Kohrs. Bei einem Trick passt er allerdings gut auf, dass ihm kein Fehler unterläuft: Mit bloßen Händen schlägt er da auf undurchsichtige Papiertüten,unter manchen befinden sich Messer. Weltweit drei Zauberer – darunter auch der Erfinder des Tricks – hätten ihre Hände in den letzten Jahren bereits ins scharfe Messer gerammt. Kann sein, dass die Show auch deswegen für Erwachsene gedacht ist.

Der Close-Up-Club findet jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im Oxymoron, Rosenthaler Str. 40, statt. Der Eintritt kostet 12 Euro. Nähere Informationen und Anmeldung unter www.close-up-club.de.

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