Neuer Ärger nach Migrantenquote : Wieder Unfriede in der Laubenkolonie

Erst vergab ein Kleingartenverein keine Parzellen mehr an Migranten. Jetzt gibt es erneut Querelen. Ein Kommentar

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Die Kleingartenkolonie Frieden wollte keine Migranten mehr aufnehmen.
Die Kleingartenkolonie Frieden wollte keine Migranten mehr aufnehmen.Foto: Tania Röttger

In der Kolonie Frieden wird es wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis solcher dort auch wieder herrscht. Erst fiel die Mariendorfer Kleingartenanlage dadurch auf, dass der Vorstand quasi eine Migrantenquote für die Vergabe der Parzellen aufgestellt hatte. Mehr als 25 Prozent sollten es, bitte schön, nicht sein. Türkischstämmige Interessenten wurden mit Verweis darauf nicht mehr berücksichtigt, das gab der Vorstand selber unumwunden zu. Selbst ein Grundstück mit einer ollen, heruntergekommenen Laube, das sonst niemand haben wollte, ließ man lieber jahrelang leer stehen. Als der Türkische Bund dieses öffentlich machte, gab es zu Recht heftige Diskussionen.

Jetzt ist die Kolonie wieder im Gespräch. Erneut ist ein Bewerber enttäuscht, diesmal ein deutscher. Nur wenige Wochen nach Bekanntwerden der Migrantenquote erhielt er vom Kolonievorstand das Angebot für genau diese Parzelle. Er freute sich, nahm die Vertragsunterlagen und begann schon mit der Sanierung der rottigen Laube. Leider umsonst, denn den Vertrag sollte er nicht bekommen. Der Bezirksverband der Kleingärtner unterzeichnete ihn nicht.

Längst hatte sich das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg eingeschaltet. Immerhin sind Kleingärten öffentliches Eigentum und die Pachtgebühren stark subventioniert. Ende Juli schlossen Bezirk, Verband und Kolonie sogar eine Absichtserklärung, wonach Schluss sein sollte mit der diskriminierenden Vergabe. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler machte ihre Erwartung klar, dass man sich daran halte, auch wenn die Vereinbarung rechtlich nicht bindend sei.

Hatte der Kleingartenverein vorher noch schnell Fakten schaffen wollen, um die abgewiesenen türkischen Interessenten nicht berücksichtigen zu müssen, indem er ratzfatz einen neuen Pächter präsentiert? Die Folgen muss jetzt ein Unbeteiligter ausbaden; er will sich zur Wehr setzen. Frieden in einer Kleingartenkolonie sieht anders aus.

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