Berlin : Neuer Anfang am Steinplatz

Das jüdische Theater Bamah eröffnete am Wochenende offiziell seine erste feste Spielstätte – in einem arabischen Haus

Thomas Loy

Am Ende kamen sie dann doch nicht zur großen Eröffnungsgala des jüdischen Theaters Bamah: Bundespräsident Köhler, Außenminister Fischer und Schauspielerin Iris Berben. Intendant Dana Lahav ist ein wenig verärgert. „Sogar die Leute vom BKA hatten sich umgesehen.“ Lahav, ein kleiner Mann mit schwarzem Haarkranz, läuft von Gast zu Gast, smalltalkt, gibt Anweisungen und findet dann doch einen Promi, mit dem es lohnt, sich fotografieren zu lassen: SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter.

Der alten Filmbühne am Steinplatz haben sie einfach das „Film“ weggeklebt. Nun ist es die „Bühne am Steinplatz“, mit 120 Sitzplätzen und einer recht schmalen Bühne. Vor einem halben Jahr ist Lahav, Israeli mit deutschen Wurzeln, mit seinem „Bamah“ (zu deutsch: Bühne) in das leer stehende Kino eingezogen. Es ist die erste feste Spielstätte des vor drei Jahren gegründeten Off-Theaters. Bemerkenswert: In der kleinen Parkanlage am Steinplatz steht ein Gedenkstein für die Opfer des Nationalsozialismus. Ebenfalls bemerkenswert ist der Inhaber von Kino und Restaurant, Issam Ozeir, ein Araber aus dem Libanon.

Ein jüdisches Theater also in einem arabischen Haus. Ozeir, ein verschwiegener Geschäftsmann, versteht gar nicht, was daran so besonders sein soll. Wenn die Welt wünscht, bitte schön, könne sie diesen Zufall gerne als politische Geste, als Symbol der Verständigung werten. „Zufall? Ach was, es war Schicksal“, sagt dagegen Lahav mit Bühnentremolo. „Ich wusste, dass es leer steht, fragte nach dem Besitzer. Ein Araber? Na, wunderbar!“ Ozeir habe bald darauf auch „wunderbar“ gerufen, was bei dem zurückhaltenden Libanesen allerdings schwer vorstellbar ist. Ozeir bekommt seitdem immer Freikarten fürs Theater, Lahav darf sich dafür an der Bar bedienen.

Die Eröffnungsfeier am Sonnabend inszeniert der Intendant als gesellschaftliches Ereignis. Der rote Teppich fällt etwas kurz aus, dokumentiert aber den Geltungsanspruch, ein renommiertes Haus zu sein. Lahav sieht das Bamah in der Tradition der jüdischen Kultur der 20er Jahre und zugleich als Spielort zeitgenössischer Autoren aus Israel. Auf dem Programm stehen viele Komödien, Revuen und Kabarettabende. Fast immer firmiert der Chef selbst als Regisseur, Autor oder Bearbeiter. Das Ensemble besteht neben Lahav noch aus acht weiteren Künstlern. Sieben von ihnen würden vom Arbeitsamt künftig nicht mehr gefördert, „wegen Hartz IV“. Lahav ist deshalb nicht gut zu sprechen auf die „deutschen Behörden“. Er fühlt sich auch von öffentlichen Geldgebern im Stich gelassen. „Keine Institution unterstützt dieses Theater. Wir bräuchten rund 100000 Euro im Jahr. Das sind doch Peanuts.“

Jetzt, wo endlich eine feste Bleibe gefunden ist, sei die Zukunft des Hauses unsicherer denn je. Die vielen Gäste, mit denen sich Lahav fotografieren lässt, die fürsprechen und unterstützen wollen – alles nur Lippenbekenntnisse? Benneter versichert, auch er sei ein „Fürsprecher“ des Bamah. Und dann sagt er: „Viele kleine Bühnen sind ja am Knapsen, müssen heute alleine zurechtkommen.“ Das klingt nicht sehr viel versprechend. Wäre es fürs Berliner Image nicht fatal, wenn ein jüdisches Theater drei Jahre nach Eröffnung wieder schließen muss? Daran möchte Benneter nicht denken.

Im Bamah läuft derzeit das Schauspiel „Wien auf dem Meer“ über eine Gruppe österreichische Juden, die an der Adria vom Anschluss Österreichs an Hitler- deutschland erfährt. Jeweils 20 Uhr, Tickets: 22 Euro, Kartentelefon: 2511 096

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