Berlin : Neuer Anfang für das Spandauer Tor

Die Investitionsruine wird zwangsversteigert, mehrere Investoren signalisieren Kaufinteresse

Rainer W. During

Eine der größten Bauruinen Berlins soll nach neun Jahren jetzt doch noch einen neuen Besitzer finden. Am kommenden Dienstag um 11.30 Uhr startet im Amtsgericht Spandau am Altstädter Ring der dritte Versuch einer Zwangsversteigerung des Spandauer Tors in Haselhorst. Wie aus dem Spandauer Rathaus verlautet, sollen sich drei Investorengruppen für das Pleiteobjekt interessieren. Neben dem ursprünglichen Bauherrn steht schon jetzt die zur Bankgesellschaft Berlin gehörende BerlinHyp fest, die nur einen Bruchteil ihrer Forderungen zurückerhalten wird.

Im Bauboom nach dem Mauerfall hatte sich der Investor Gyula Fritz verspekuliert. Beiderseits der Straße Am Juliusturm sollte mit dem Spandauer Tor ein riesiger Bürokomplex entstehen. Für den Entwurf des Projekts, das die Kommunalpolitik bereits im Planungsstadium als neues Wahrzeichen feierte, wurde der Architekt Claude Vasconi verpflichtet.

Rund 800 Millionen Mark sollte der Prestigebau kosten. Gestartet wurde mit der Nordhälfte des „Tores“. Doch die Telekom als potenzieller Mieter überlegte es sich anders und auch andere Interessenten blieben aus. Als Fritz 1995, zwei Jahre nach der Grundsteinlegung, die Notbremse zog, war gut ein Viertel des Geldes verbaut. Seitdem gammelt der zwölfgeschossige Rohbau vor sich hin. Davor ragen die Treppenhaustürme des unvollendeten Parkhauses in den Himmel.

Auf rund 250 Millionen Euro belaufen sich die Grundschulden, die Forderungen der Bank auf mehr als 50 Millionen Euro. Indessen beträgt der Verkehrswert nur noch 14 Millionen Euro, doch nicht einmal für das auf die Hälfte festgelegte Mindestgebot fand sich beim letzten Versteigerungsversuch im Januar ein Käufer. Jetzt gibt es keinen Mindestbetrag mehr, doch kann die BerlinHyp ein ihr zu niedrig erscheinendes Gebot ablehnen.

„Von unserer Seite besteht kein Interesse“ heißt es bei der Spandauer Baugesellschaft Arnold Kuthe, die im Januar als einziges Unternehmen einen Beobachter zur Versteigerung geschickt, aber nicht geboten hatte. „Wir haben verschiedene Gespräche mit Investoren geführt“, sagt BerlinHyp-Sprecherin Vanessa Lanschoof-Schlichting. Über die Verkaufsaussichten will sie nicht spekulieren.

Der Bezirk schreibt eine Büro- oder Logistiknutzung vor. „Großflächigen Einzelhandel wird es nicht geben“, so Stadtplanungsamtsleiter Walter Göllner. Doch auch in der ursprünglichen Zweckbestimmung könnte das Spandauer Tor neue Attraktivität gewinnen. Wenn der Kaufpreis stimmt, so heißt es in Immobilienkreisen, ließen sich Büromieten kassieren, die zwei Drittel unter dem Niveau am Potsdamer Platz liegen.

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