Berlin : Neuer Anlauf für teurere Schülerkarten

BVG und S-Bahn wollen den Tarif wieder auf 30 Euro erhöhen, weil sie angeblich Verluste machen. Der Senat lehnt den Vorstoß ab – bisher

Klaus Kurpjuweit

Ob Schüler weiter besonders günstig mit Bahnen und Bussen durch die Stadt fahren können, bleibt vorläufig ungewiss. Die Verkehrsbetriebe wollen den Preis für Schüler- und Geschwisterkarten drastisch erhöhen – stufenweise von 23 auf 30 Euro. SPD und PDS sind vehement dagegen. Gleichzeitig weigern sich die Politiker aber, einen Extra-Zuschuss für die Billig-Tickets zu zahlen. Am heutigen Montag soll es ein weiteres Gespräch der Verkehrsbetriebe mit Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) geben, der die Tarife genehmigen muss. Sie sollen dann bereits vom 1. April an gelten.

Die Preise für Schülerkarten waren im August 2001 auf Betreiben von Strieder gesenkt worden – von umgerechnet 30,70 Euro auf 23 Euro. Nach einer Preiserhöhung in diesem August kosten die Monatskarten jetzt 24 Euro. Gleichzeitig setzte Strieder gegen den Widerstand von BVG und S-Bahn ein Geschwisterticket für 15 Euro durch, das mittlerweile auch 16 Euro kostet. Nun wollen die Verkehrsbetriebe das Geschwisterticket schnell ganz abschaffen und die Schülerkarten auf das frühere Preisniveau treiben. Begründung: BVG und S-Bahn machten wegen der Billigtickets Verluste.

Strieder, der mit dem Preisnachlass Familien finanziell entlasten wollte, weigerte sich bisher stets, auf die bald nach der Tarifänderung vorgebrachten Forderungen nach höheren Preisen zu reagieren. Strieder widerspricht der Verlusttheorie der BVG und rechnete den Verkehrsbetrieben bereits im Sommer vor, sie hätten durch höhere Zuwendungen des Landes für die Schülerkarten sogar 10 Millionen Euro mehr eingenommen als vor der Preissenkung. Ferner sei die Zahl der Kunden um 26 Prozent gestiegen. Diese Kinder und Jugendlichen seien zudem die voll zahlenden Kunden der Zukunft.

Nach Angaben der Verkehrsunternehmen geht diese Rechnung Strieders aber nicht auf. Die billigeren Schüler- und Geschwisterkarten hätten unter dem Strich eben doch zu Verlusten geführt. Da beide Betriebe aber auch auf Druck des Senats sparen müssten, könnten sie das Minus aus eigener Kraft nicht länger ausgleichen. Bei der BVG führe dies zu steigenden Schulden. Der Senat gleicht die Verluste bereits seit 1994 nicht mehr aus. Mittlerweile ist das landeseigene Unternehmen BVG mit rund einer Milliarde Euro verschuldet.

Auch bei anderen verbilligten Tarifen verlangt der Senat einen Spagat von den Verkehrsbetrieben. So erwarten die Politiker, dass es weiter ein preisgünstiges Ticket für Sozialhilfeempfänger gibt, obwohl das Land den ohnehin bereits reduzierten Zuschuss zum Jahresende ganz einstellt.

Für politisch gewollte Preise müsse aber die Politik zahlen, argumentieren BVG und S-Bahn. Verkehrsbetriebe, die ohnehin mit Verlust arbeiteten, könnten keine zusätzlichen Sozialtarife anbieten. Bis 1994 hatte der Senat den Ausgleich noch übernommen.

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