Berlin : Neuer Aufguss

„Blub“ will mit größerem Saunagarten mehr Gäste anlocken

Christian van Lessen

Kommt das angeschlagene „Blub“ wieder nach oben? Geschäftsführer Harald Frisch hofft, dass die Zeit mit höllisch niedrigen Besucherzahlen des „Badeparadieses“ bald vorbei ist. Er setzt auf einen neuen, erweiterten Saunagarten, der vor Weihnachten fertig gestellt sein soll. Dann könne das Bad zumindest im Saunabereich „mit Sicherheit die führende Einrichtung in Berlin werden“, verspricht Frisch. Er braucht viel Optimismus. Spätestens seit das private Spaßbad an der Buschkrugallee vor einem Jahr wegen unhygienischer Zustände in die Schlagzeilen geriet, bleiben Besucher weg.

Das Neuköllner Gesundheitsamt beschäftigt sich nach Auskunft von Stadtrat Michael Freiberg (CDU) „intensiv“ mit dem Bad und achtet darauf, dass „Mindeststandards“ eingehalten werden. Wer zum Baden kommt, erfährt an der Kasse, dass der Whirlpool geschlossen, die kleine Rutsche und die Badewelle gerade nicht in Betrieb sind. „Umbauarbeiten, technische Probleme, da kommt einiges zusammen“, sagt Frisch, der Bau sei immerhin fast 19 Jahre alt. Ende letzten Jahres machte das Wort „Rattenkot“ die Runde, Besucher hatten ihn entdeckt, auch ein tote Ratte im Becken. Sie alarmierten entsetzt das Gesundheitsamt. Frisch, selbst einmal Gesundheitsstadtrat in Wilmersdorf, versicherte, regelmäßig Schädlingsbekämpfer im Haus zu haben. Einiger Dreck entpuppte sich als Vogelkot, weil Spatzen wegen der offenen Pforten durchs Haus fliegen. Der Ruf des Hauses war gründlich ruiniert. Ein Schock, von dem sich das Bad bis heute nicht erholt hat.

Es gibt tagsüber Stunden, da ist die große Halle menschenleer. Selbst an Wochenenden herrscht im Vergleich zu früheren Jahren Öde. Der Saunagarten aber ist belebt. Hier lässt der Manager seit Monaten bei laufendem Betrieb umbauen. Alte Saunen wurden abgerissen, neue eingerichtet, der Platz für Gastronomie erweitert. Gearbeitet wird nachts, tagsüber laufen Gäste nackt um abgesperrte Baustellen. Viel Personal sei entlassen worden, erzählen sich die Besucher beim Schwitzen; der Chef müsse sehr aufpassen, nicht durch schleppende Umbauten und fehlende Reparaturen auch noch die treuesten Kunden zu vergraulen.

Harald Frisch, hat Höhen und Tiefen des Bades von Anfang an miterlebt. Schon als die einstige Friedrich-Schröder-Unternehmensgruppe das „Berliner Luft- und Badeparadies“ mit der einprägsamen Abkürzung eröffnete, war er hier Chef. Rund 22 Millionen Euro hatte der Bau gekostet, mit Wasserrutschbahn, Wellen- und Brandungsbad, wie es das damals nur im Ost-Berliner SEZ gab. Bis zu 600000 Besucher strömten anfangs jährlich ins Britzer Bad, manchmal mehr als 4000 am Tag.

Ende der neunziger Jahre fiel Gästen auf, dass die Anlage ungepflegter wirkte. Reparaturen wurden aufgeschoben. Die Besucherzahlen sanken, heute wird mit 100000 Besuchern im Jahr gerechnet, auch wegen der Konjunkturlage. Das Haus leidet sichtlich unter Finanzmangel. Dazu kommt, dass Frisch als Partner beim Freizeitbad „Samoa“ in Warnemünde wirtschaftlich baden ging. Es musste kurz nach der Eröffnung mangels Besuchern schließen. „Das Blub macht weiter“, versichert Frisch.

Mitte 2002 wurde bekannt, dass die Blub-Küche aus hygienischen Gründen für einige Tage gesperrt werden musste. Dann kam die Ratten-Affäre. Die einwöchige Schließung, sagt der Geschäftsführer, sei „völlig überflüssig“ gewesen. Aber über Vergangenes wolle er jetzt nicht mehr reden.

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