Neuer Erzbischof : Was Woelki in Berlin vorhat

Erzbischof Woelki will Orte mit Strahlkraft schaffen und wünscht sich eine katholische Fakultät.

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Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Am 5. Januar kurz vor zwölf Uhr mittags klingelte bei Erzbischof Rainer Maria Woelki das Telefon. Der Nuntius war dran, der Botschafter des Papstes in Berlin. Er habe einen Brief aus Rom bekommen, den müsse er persönlich abgeben, ob er vorbeikommen könne? „Dann kam der mit seinem Golf Plus zu mir in den Wedding, stieg hoch ins Dachgeschoss und erzählte mir, dass der Papst mich morgen zum Kardinal ernennen würde“, sagte Woelki mit rheinischer Sprachmelodie und so, als wundere er sich noch immer, dass das alles ihm passiert und keinem anderen. Und, ja, es wird wohl wirklich so kommen, dass der Papst am 18. Februar Rainer Woelki in Rom zum Kardinal kürt.

Auch der verstorbene Erzbischof Georg Sterzinsky war Kardinal, Berlin ist wegen seiner Bedeutung als deutscher Hauptstadt und seiner Lage im Osten traditionell Kardinalssitz. Und doch ist Woelkis Berufung etwas so Besonderes, dass sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) und Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) ihn nach Rom begleiten wollen. Wowereit sieht in der Ernennung „ein wichtiges Ereignis für die Stadt“; auch Woelki betont, dass weniger er als Person geehrt werde, sondern seine Funktion als Berliner Erzbischof.

Woelki erzählte die Anekdote mit dem Nuntius am Mittwochabend im Kathedralforum von St. Hedwig. 200 Besucher wollten hören, was der frisch ernannte Kardinal zu sagen hat, schnell wurden zusätzliche Stühle geholt, mit so viel Andrang hatte niemand gerechnet. Es konnte sich auch keiner erinnern, wann zuletzt so viele Menschen zu einer Veranstaltung ins Kathedralforum gekommen sind.

In herzlichem Plauderton deutete Woelki zum ersten Mal an, wie er sich die Zukunft des Erzbistums vorstellt. So wünscht er sich eine eigene katholisch-theologische Fakultät für Berlin. Die könne an einer staatlichen Universität angesiedelt sein, denkbar wäre auch eine Hochschule in Trägerschaft der Kirche. „Ich hatte den Eindruck, dass auch der Papst das ganz gerne sehen würde“, sagte Woelki. Er habe aber „keine Ahnung“, wie man das bewerkstelligen könnte, gab Woelki zu. Das Bistum sei gerade mal saniert und habe kein Geld für große Sprünge. Aufgrund demografischer Prognosen müsse man damit rechnen, dass die Einnahmen weiter schrumpfen. „Vielleicht müssen wir uns von manchen Dingen verabschieden zugunsten von anderen“, sagte Woelki. Vielleicht müsse man sich auch von Kirchen trennen, in denen nur 15, 20 Leute zum Gottesdienst kommen, und dafür ein neues Zentrum mit Strahlkraft errichten. „Wir müssen die Diözese mit Leuchttürmen bestücken.“

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