Berlin : Neuer FU-Kanzler: Zweitjob für Präsidialamtsleiter Peter Lange

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Es ist nur ein kleiner Zusatz im würdevollen Titel. Doch der Unterschied ist bedeutsam: Hinter dem sperrigen Kürzel "m.d.W.b." verbirgt sich die Einschränkung "mit der Wahrnehmung beauftragt" - im Klartext heißt das: vertretungsweise. Denn in das Amt, das Peter Lange seit August bekleidet, wird man nicht berufen, sondern gewählt. Vor drei Jahren hatte sich Lange für den Posten des Kanzlers der Freien Universität (FU) beworben - und war gescheitert. Gewählt wurde der Jurist Wolf-Dietrich von Fircks. Der allerdings verlässt im kommenden Frühjahr die FU und wechselt als Rektor an die Veterinärmedizinische Universität in Wien. Bereits zum August hat er nun die Amtsgeschäfte weitgehend abgetreten - "im Einvernehmen", wie es heißt. Seine Pflichten überließ er dem einst abgelehnten Peter Lange, der sich jetzt doch Kanzler nennen darf - nur mit dem Zusatz "m.d.W.b.".

Von Fircks sieht hierin einen "ganz normalen" Vorgang: Man wolle lediglich einen allzu "abrupten Übergang" vermeiden, und Lange sei sein Stellvertreter - auch wenn dieser nicht demokratisch gewählt, sondern vom Präsidenten benannt wird. Er selbst beschäftigt sich bis zur Abreise nur noch mit "Privaten Geschäftsfeldern" der Universität: Dahinter verbirgt sich etwa das "Internationales Marketing" oder die "berufliche Weiterbildung" - verglichen mit den eigentlichen Befugnissen eines Kanzlers völlig bedeutungslose Aufgaben. Es habe aber "keine Konflikte" gegeben, beteuert von Fircks, "nur waren diese Themenfelder eben bislang vernachlässigt". Die Wissenschaftsverwaltung betrachtet die Ablösung als "Universitätsangelegenheit".

Dem hochschulpolitischen Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen, Bernhard Weinschütz, sind die Umstände der faktischen Beförderung von Lange dagegen nicht ganz geheuer. "Aus demokratischer Sicht merkwürdig" sei der Vorgang. Er fordert umgehend Neuwahlen. Allerdings spricht einiges dafür, dass es hierzu vorerst nicht kommen wird: Amtsinhaber von Fircks wird nach Angaben des FU-Präsidenten Peter Gaehtgens trotz seines Umzugs nach Wien nicht zurücktreten, sondern von seinem hiesigen Arbeitgeber nur beurlaubt - zu Gunsten von Lange, der auf diese Weise bis zu vier Jahre Kanzler "in Vertretung" bleiben könnte.

Gaehtgens begründet diese Konstruktion mit der derzeit laufenden Erprobungsphase an den Berliner Hochschulen, mit denen diese zu effizienteren Strukturen finden sollen: "Wir wären schlecht beraten, wenn wir uns in der jetzigen Situation mit einer Neuwahl wieder für zehn Jahre an eine Person binden." In drei Jahren werden die strukturellen Veränderungen der Erprobungsklauseln von unabhängigen Experten beurteilt, und dann, so Gaethgens, werde das Amt des Kanzlers möglicherweise sogar ganz abgeschafft. Dass Peter Lange für diese Zeit voraussichtlich Kanzler bleibt, sei unproblematisch: "Als Stellvertreter hat er doch auch die Geschäfte geführt, wenn Herr von Fircks im Urlaub war." Im übrigen könne die Besetzung des Amtes mit der gewählten Konstruktion jederzeit geändert werden, bei einem gewählten Nachfolger hingegen sei dies schwierig: "Die Experimentierfreudigkeit muss die FU sich bewahren."

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