Berlin : Neuer Hauptbahnhof ohne Anschluss

Planungswirrwarr verhindert den pünktlichen Bau der S-Bahn-Linie 21 als Verbindung zum Nordring

Klaus Kurpjuweit

Ein heilloses Planungsdurcheinander verhindert den pünktlichen Anschluss des neuen Hauptbahnhofs/Lehrter Bahnhofs an das S-Bahn-Netz Richtung Nordring. Damit wird der Superbahnhof, in dem die Bahn täglich 240 000 Besucher erwartet, nur mit S-Bahnen und Regionalzügen auf der Ost-West-Stadtbahn erreichbar sein. Den U-Bahn-Anschluss hat der Senat gestoppt, und die geplanten Straßenbahn-Verbindungen stehen ebenfalls auf der Kippe. Busse werden durch den prognostizierten Stau auf den Zufahrtsstraßen schleichen müssen.

Auf der Baustelle Hauptbahnhof entsteht derzeit die letzte Baugrube für den unterirdischen Teil der Anlage mit ihren acht Gleisen an vier Bahnsteigen. Nicht gebaut aber wird der Bahnhof für die vorgesehene S-Bahn-Linie 21, die den Hauptbahnhof mit dem Nordring der S-Bahn verbinden soll – obwohl deren Bau vom Senat beschlossen worden ist.

Einen Auftrag zum Bau des S-Bahnhofs neben der großen unterirdischen Fernbahnhalle habe der Senat bis heute nicht erteilt, erklärt die Bahn. Noch sei auch das Genehmigungsverfahren nicht abgeschlossen. Deshalb sei die Anlage in den Plänen für den Hauptbahnhof nicht berücksichtigt worden. Betoniert werde nur eine Platte über dem künftigen Bahnhof, unter der später die Grube ausgehoben werden kann. Die Senatsplaner wiederum argumentieren, mit der Entscheidung, zunächst nur am Nordring Über- und Unterführungen für die S 21 zu bauen, sei die gesamte Strecke vom Nordring bis zum Hauptbahnhof bestellt worden.

Noch gibt es aber gar keine Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Senat und der Bahn. Als Neubaustrecke gehört die S 21 nicht zum Wiederaufbauprogramm, das vom Bund finanziert wird. Die S 21 soll etwa 150 Millionen Euro kosten. Den Baubeginn hatte der Senat vorfinanziert. Erst später kam dann auch vom Bund eine Finanzierungszusage.

Um die S-Bahnen aus dem Norden bis zur vorgesehenen Eröffnung des Hauptbahnhofs zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer 2006 doch noch fahren lassen zu können, müssten die Pläne am Hauptbahnhof geändert werden, was zu einem vorübergehenden Stopp der derzeitigen Arbeiten an der letzten Baugrube führen würde. Durch sie verläuft auch der Tunnel für die Bundesstraße B 96, der Ende 2004 eröffnet werden soll.

Die Bahn will aber keine Verzögerung. Der von ihrem Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn versprochene Eröffnungstermin Mitte 2006 soll unbedingt gehalten werden. Dafür hat Mehdorn bereits das Dach der oberirdischen Halle um gut 100 Meter kürzen lassen. Bei langen Zügen stehen dort nun Passagiere im Freien. Nun wird auch noch der Anschluss an den Nordring der S-Bahn fehlen.

Bei der Planung des Bahnhofs hatte man noch eine großzügige Anbindung ans Schnellbahnnetz vorgesehen. Eine neue S-Bahn-Strecke sollte den Süden und Norden der Stadt mit dem Hauptbahnhof verbinden; über 60 Bahnhöfe wären so direkt angeschlossen worden. Zudem sollte die U-Bahn- Linie 5 vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof verlängert werden. Schnell hatte sich aber herausgestellt, dass dafür das Geld fehlte. Nach langem Hin und Her verzichtete der Senat auf den Bau der S-Bahn und setzte auf den U-Bahn-Anschluss. Nachdem über 200 Millionen Euro verbaut waren, kam die Kehrtwende: Stopp für die U-Bahn und grünes Licht für die S-Bahn.

Die durchgehende Verbindung von Norden nach Süden wurde allerdings gekappt. Die Bahnen sollen jetzt vom Ring abbiegen, zum Hauptbahnhof fahren und von dort wieder auf den Ring zurückkehren. Die Verbindung über den Potsdamer Platz zum Gleisdreieck blieb unberücksichtigt. Die mehrfachen Planungsänderungen führten bereits zu Terminverspätungen. Auch die letzte Lücke des S-Bahn-Ringes konnte deshalb erst in diesem Jahr geschlossen werden.

Das ständige Hick-Hack hat den verkehrspolitischen Sprecher der Grünen, Michael Cramer, jetzt auf die Palme gebracht. Wer das Desaster verschuldet habe, sei am Ende fast egal. „Die Leidtragenden sind die Fahrgäste“, sagte Cramer. Daraus müssten personelle Konsequenzen gezogen werden.

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