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Neuer Mietspiegel vorgestellt : Mieten in Berlin weniger stark gestiegen als befürchtet

Es ist eine kleine Überraschung und widerspricht dem Gefühl aller, die in Berlin eine Wohnung suchen: Die Mieten sind in den vergangenen zwei Jahren nicht so stark angestiegen wie befürchtet. Doch das gilt nicht für alle Wohnlagen.

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Die Mieten in Berlin steigen weniger stark, als zunächst erwartet.
Die Mieten in Berlin steigen weniger stark, als zunächst erwartet.Foto: dpa

„Die Stadt wächst, und das ist gut, aber damit wird Wohnraum knapp, und die Mieten steigen“, sagte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) bei der Vorstellung des Mietspiegels. Der Mietenanstieg sei zwar moderat, man müsse aber auch die Einkommenssituation in Berlin berücksichtigen. Mit einem Durchschnittswert von 5,54 Euro pro Quadratmeter und Monat liege Berlin auf dem Niveau von Essen, Leverkusen, Greifswald oder Bielefeld. In München zahlten Mieter fast das Doppelte: 10,13 Euro pro Quadratmeter und Monat.
Allerdings hat Berlin nach Berechnungen des Instituts F+B zum Bundesdurchschnitt der Mietspiegel-Mieten aufgeschlossen. Dieser beträgt den Forschern zufolge für eine 65 Quadratmeter-Wohnung in mittlerer Ausstattung und Lage 6,13 Euro je Quadratmeter und Monat. In Berlin sind es je nach Baujahr zwischen 5,67 und 6,58 Euro für eine 60 bis 90 Quadratmeter große Wohnung. Das Forschungsinstitut F+B hatte die Mieten laut Mietspiegel von 325 deutschen Städten mit mehr als 20 000 Einwohnern miteinander verglichen.

Der Wohnungsmarkt in Berlin fächert sich weiter auf, als in anderen Städten

In Berlin fächert sich der Markt weiter auf. Besonders stark steigen die Mieten für Altbauten in mittleren und guten Lagen, nämlich um sechs Prozent jährlich. Kleine Wohnungen sind vom Preisanstieg besonders betroffen. Pensionäre, junge Erwachsene auf der Suche nach der ersten Wohnung sowie Singles und Alleinerziehende konkurrierten um diesen Bestand, sagte Müller. Für diese Nachfragergruppen müssten verstärkt neue Wohnungen errichtet werden.

Grafik:Tsp/Bartel

Weniger nachgefragt sind Altbauten aus den Nachkriegsjahren. Die Mieten von Wohnungen, die zwischen 1950 und 1972 errichtet wurden (sowie im Ostteil zwischen 1973 und 1990), stiegen nur unterdurchschnittlich.
Die Entwicklung verschärft sich zusätzlich, weil in der Innenstadt Quartiere wie Kreuzberg oder auch Neukölln so begehrt sind, dass dies auch Einfluss bei der Bewertung der Wohnlage im Mietspiegel hat. Der Mietspiegel unterscheidet drei Wohnlagen nach ihrer Qualität und nennt dies „einfach“, „mittel“ oder „gut“. Zu einem geradezu sprunghaften Anstieg der Mieten könnte es in der Zukunft bei rund 1700 Adressen in der Stadt kommen. Denn diese wurden auf Antrag überwiegend von Hauseigentümern hochgestuft: Sie wurden so von einfachen in mittlere Lagen verwandelt oder von mittleren in gute. Dadurch wächst der Spielraum der Hauseigentümer bei der nächsten Mieterhöhung. Denn die Qualitätsunterschiede bei den Wohnlagen können Abweichungen von bis zu zehn Prozent bei den Mieten ausmachen.

Deutlich höher als der Mietspiegel liegen die Preise von neu vermieteten Wohnungen

Bausenator Michael Müller verteidigte den Mietspiegel gegen teilweise heftige Anfeindungen von politischen Aktivisten, die in dem Zahlenwerk eine Verschleierung der tatsächliche Lage am Wohnungsmarkt sehen. Müller erläuterte, dass die Vergleichsmiete dazu diene, überzogene Forderungen von Hauseigentümern zu verhindern. Dass allerdings keine Mieten aus Verträgen einfließen, die seit mehr als vier Jahren nicht mehr verändert wurden, hat für Mieterinitiativen eine preistreibende Wirkung auf den Mietspiegel.

Deutlich höher als der Durchschnitt des Mietspiegels liegen die Preise von Wohnungen, die neu vermietet werden. Dass dagegen bis heute noch keine gesetzliche Initiative erfolgreich durchgesetzt werden konnte, sieht Müller als starkes Versäumnis an. „Das ist mit dieser Bundesregierung nicht zu machen“, sagte Müller. Er will durch verstärkten Neubau immerhin einen Teil des Drucks vom Markt nehmen.
Der Berliner Mieterverein rechnet trotz des moderaten Anstiegs der Durchschnittsmieten mit einem starken Anreiz für die Vermieter, in Zukunft weiter an der Mietschraube zu drehen. Grund seien die stark gestiegenen so genannten Oberwerte der Preisspannen besonders in den Altbauquartieren.

In einfachen Lagen erhöhten sich die Mieten überdurchschnittlich

Bei Wohnungen in einfacher Lage erhöhten sich die Mieten nach Angaben des Mietervereins weit überdurchschnittlich um neun Prozent, bei einfacher Ausstattung sogar um 15 Prozent. Auch kleinere Wohnungen bis 40 Quadratmeter sind stärker von Mieterhöhungen betroffen. „Das ist eine problematische Entwicklung vor allem für Mieter mit unterdurchschnittlichem Einkommen“, erklärte der Geschäftsführer des Mietervereins, Reiner Wild.

Am frühen Donnerstagabend protestierten in Neukölln rund 70 Personen unangemeldet gegen Mietsteigerungen. Sie zogen durch einige Seitenstraßen, die Polizei leitete nach Angaben eines Sprechers routinemäßig ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ein. Als die Beamten anrückten, löste sich die Demonstration friedlich auf.

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