Neuer Mietspiegel : Wohnen in der City drastisch verteuert

Die Mieten in Berlin sind in den vergangenen zwei Jahren durchschnittlich um 1,7 Prozent oder 8 Cent pro Quadratmeter gestiegen und damit langsamer als zuvor. Das geht aus dem neuen Mietspiegel hervor, den Senat, Mieter- und Vermieterverbände am Mittwoch unterzeichneten.

Ralf Schönball
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Der Zuwachs lag im  gesamten Stadtgebiet bei acht Cent, so dass für eine Wohnung in Berlin im Durchschnitt eine Miete von 4,83 Euro pro Quadratmeter und Monat bezahlt werden muss. Diese Zahlen gehen aus dem neuen Berliner Mietspiegel 2009 hervor, der gestern sowohl von Interessenvertretern der Mieter als auch der Vermieter unterzeichnet wurde und deshalb  erstmals seit dem Jahr 2000 wieder„qualifiziert“ ist.

Dies ist deshalb so wichtig, weil die Zahlen nun bei gerichtlichen Auseinandersetzungen als Beweismittel dienen können. Die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer bewertet die Ergebnisse so: „Die Mieten in Berlin bleiben stabil“. Angesichts des deutlich höheren Erträge, die Hauseigentümer in Hamburg oder München erzielen, nannte Junge-Reyer die Berliner Mieten einen „Standortvorteil für die Stadt“. Damit teilt sie die Einschätzung der Immobilien-Eigentümer. Ihnen zufolge steigen die Mieten in Berlin seit einem Jahrzehnt langsamer als die Lebenshaltungskosten.

Mehr als 30 Prozent Aufschlag bei Neuvermietung in Kreuzberg

Anders urteilt der Berliner Mieterverein, für den die Durchschnittsmiete in der Stadt den Blick auf  die weit überdurchschnittlich steigenden Mieten im Zentrum Berlins sowie bei den begehrten kleinen Wohnungen mit maximal 40 Quadratmetern verschleiert. Wie drastisch die Mieten im Zentrum steigen, zeigt ein Vergleich zwischen den Preisen von Wohnungen vor und nach einem Wechsel des Mieters: Wer im vergangenen Jahr in eine Wohnung in Mitte oder Prenzlauer Berg  einzog, der zahlt im Durchschnitt 5,72 Euro pro Quadratmeter und Monat an den Hauseigentümer. Das liegt mehr als ein Euro oder zwanzig Prozent über den Mieten, die Altmieter für vergleichbare Wohnungen (4,70 Euro) bezahlen.

Noch drastischer ist der Preissprung in Kreuzberg, wo Neuverträge für 4,97 Euro unterzeichnet werden, Altmieter dagegen im Schnitt für 3,73 Euro pro Quadratmeter und Monat wohnen - der Preissprung beträgt hier mehr als 30 Prozent. In der City-West beträgt die Differenz zwischen laufenden und neuen Mietverträgen 76 Cent pro Quadratmeter und Monat, etwa 15 Prozent. Einfach ausgedrückt: Im Zentrum erhöhen die Hauseigentümer die Mieten drastisch, sobald ein Mieter auszieht und die Wohnung neu vergeben wird.

Sinkende Mieten für Plattenbauten im Osten

Der Mietspiegel enthält allerdings auch sinkende Mieten, zum Beispiel für Plattenbauten im Ostteil der Stadt, die zwischen 1973 und 1990 errichtet wurden. Schwer zu vermieten sind offenbar auch die ohnehin eher teure Wohnungen im Westteil der Stadt, die zwischen 1984 und 1990 errichtet wurden und 60 bis 90 Quadratmeter groß sind. Deren Durchschnittsmiete sank um rund ein Euro auf 5,26 Euro je Quadratmeter und Monat. Eine Erklärung dafür hat der Chef des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, Ludwig Burkardt: „In weiten Teilen der Stadt stagniert die Mietzahlungsfähigkeit oder steigt nicht  so, wie es wirtschaftlich wünschenswert wäre.“

Die Schere zwischen der Zahlungskraft der Haushalte und den Kosten des Wohnens öffnet sich nicht nur wegen der steigenden Mieten, sondern auch wegen der explodierenden Betriebskosten - hier lag das Plus bei fünf Prozent allein im vergangenen Jahr. Besonders hart trifft es die Berliner Singles, die Hälfte aller Berliner Haushalte überhaupt: Um die rund 1400 Wohnungen bis 40 Quadratmeter in guten Lagen tobt  ein Verteilungskampf, denn deren Mietmittelwert stieg im neuen Mietspiegel von 6,22 Euro auf 6,70 Euro pro Quadratmeter und Monat.

"Niemand hat den Anspruch, in einer bestimmten Straße zu wohnen"

Trotz des teilweise stark angespannten  Berliner Wohnungsmarktes ist es aus Sicht von Junge-Reyer „schwierig wegen der  100 000 Wohnungen, die länger als sechs Monate leer stehen,  von einer Mangellage zu sprechen“. Klarer drückt es der Vorstand vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, Ludwig Burkardt, aus: „Niemand hat einen Anspruch darauf, in einer bestimmten Straße zu wohnen“ - wenn er es nicht bezahlen kann.

Ein besonders großes Angebot an leer stehenden Wohnungen gibt es nach Angaben seines Verbandes in den nicht sanierten Plattenbauten am östlichen Rand der Stadt. Als Erfolg der „außerordentlich mühsamen und konstruktiven Arbeit“  an dem neuen Mietspiegel wertete  Senatorin Ingeborg Junge-Reyer, dass mit  dem neuen Zahlenwerk erstmals in Deutschland  „die Höhe der Miete auch an die energetische Qualität des Gebäudes“ gebunden sei.

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