Berlin : Neuer Motor für die Love Parade

Nach dem Rückzug der alten Veranstalter sollen Musikmanager Tim Renner und andere Sponsoren den Techno-Umzug wiederbeleben

Lars von Törne

Er hat die Band Rammstein entdeckt, war Deutschland-Chef des Universal-Konzerns, schrieb einen Bestseller und betreibt seit kurzem mit „Motor FM“ einen Radiosender in Berlin. Jetzt soll Tim Renner auch der angeschlagenen Love Parade zu neuem Glanz verhelfen. Der 40-jährige Musikmanager gehört nach Informationen des Tagesspiegels seit kurzem zu dem Team, das die weltweit größte Techno-Party in diesem Juli erneut veranstalten möchte.

Die Parade hat neuen Schwung und ein professionelles Management bitter nötig. Nachdem der Zug über die Straße des 17. Juni im vergangenen Jahr mangels Sponsoren ausgefallen war, haben sich inzwischen auch die beiden wichtigsten Köpfe des Projekts zurückgezogen. Erst gab im Dezember Fabian Lenz seinen Job als Geschäftsführer der Love Parade GmbH auf, jener Firma, die die Namensrechte an dem Umzug besitzt. Jetzt ist auch Ralf Regitz, Chef des Veranstaltungsbetriebs Planetcom, ausgestiegen. Sein Unternehmen hat den Exklusivvertrag mit dem Senat zur Durchführung der Parade – was in der Vergangenheit wiederholt zu Reibereien zwischen den beiden Veranstaltern geführt hatte.

Der Rückzug von Regitz mache den Weg frei für einen Neuanfang, freut sich ein Kenner der Parade, deren Macher in den vergangenen Jahren wegen hoher Kosten und geringer Effizienz gerügt worden waren. Welche Rolle Tim Renner nun spielen soll, ob er gar den Geschäftsführerposten der Love Parade GmbH übernehmen will, ist derzeit offen. Renner und Regitz waren für Rückfragen nicht zu erreichen.

Einen Termin für die diesjährige Love Parade gibt es zwar schon – laut Vereinbarung mit dem Senat ist es Sonnabend, der 9. Juli – aber noch steht in den Sternen, ob die Sponsorensuche erfolgreicher endet als 2004. Kürzlich verbreitete Meldungen, der Samsung-Konzern wolle den Umzug sponsern und erwäge gar, die Namensrechte zu erwerben, dementierte das Unternehmen sogleich. „Wir haben mit den Veranstaltern nur einmal über eine mögliche Unterstützung im vergangenen Jahr gesprochen“, sagt Konzernsprecherin Brigitte Kaltwasser. Darüber hinaus gebe es aktuell „keine Gespräche und keine Sponsoringpläne“. Seitens der Veranstalter war jüngst von laufenden Verhandlungen mit mehreren Unternehmen die Rede gewesen.

Für den ausgestiegenen Organisator Ralf Regitz kommt der Abschied von der Love Parade zur rechten Zeit, um sich ganz seinem neuen Projekt zu widmen. Er arbeitet, wie berichtet, derzeit mit einer Geschäftspartnerin an der Wiederbelebung des E-Werks, jenes legendären Techno-Clubs, den er bereits Anfang der 90er leitete. Im Mai soll der Club im ehemaligen Abspannwerk in einem denkmalgeschützte Ziegelbau zwischen Mauer- und Wilhelmstraße in Mitte wieder aufmachen. Spätestens dann dürfte auch klar sein, ob die Love Parade genug Geld zum Überleben zusammenbekommt.

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