Berlin : Neuer Sheriff im Versuchslabor Senat ernennt Tierschutzbeauftragen

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Gestern wurde Horst Spielmann im Roten Rathaus als der neue Tierschutzbeauftragte des Landes Berlin vorgestellt. Und als solcher trägt er sein Engagement bereits am Revers: die goldene Ehrennadel des Deutschen Tierschutzbundes. Die erhielt Spielmann im vergangenen Jahr für seinen internationalen Einsatz gegen Tierversuche in Forschung und Industrie. Der Kampf gegen Tierversuche ist dann auch das Thema, das Spielmann am Herzen liegt.

„Die Wissenschaft muss immer versuchen, ihre Fragen ohne Tierversuche aufzulösen“, sagt Spielmann. Er selbst hat alternative Methoden entwickelt. Ein von Spielmann erarbeiteter Test mit künstlich erzeugtem Hautgewebe ist mittlerweile EU-weit akzeptiert – und ersetzt die bisherigen Versuche an der Haut lebender Kaninchen. „Leider gibt es immer noch zu viele Tierlabors in Berlin“, mahnt Spielmann an. Bei den Menschen müsse ein Umdenken erfolgen, was den Umgang mit Tieren angeht. Ein Tier sei keine Sache, es ist ein „Mitgeschöpf“, sagt Spielmann.

Der emeritierte Professor für Regulatorische Toxikologie sei zwar nicht im gleichen Maße vom Fach wie sein Vorgänger Klaus Lüdcke – der Veterinärmediziner ist –, aber als Forscher und Tierliebhaber wolle er seinen Beitrag leisten, „Bindeglied“ zwischen den Behörden und den Bürgern zu sein. Die Verwaltungsstrukturen zu optimieren sei denn auch neben der Verringerung von Tierversuchen sein Arbeitsschwerpunkt. Noch keine Angaben konnte Spielmann zur artgerechten Unterbringung der Berliner Zootiere oder zu seiner Mitarbeit beim „Bello-Dialog“ zum Umgang mit Hunden in der Stadt machen – aber er versprach, sich überall mit Interesse einzuarbeiten.

Ines Krüger vom Tierschutzverein Berlin und Umgebung begrüßte die Ernennung von Spielmann. Er sei „genau die laute Stimme des Tierschutzes“, die die Stadt jetzt brauche. Laut Bundesministeriums für Landwirtschaft wurden in Berlin 2010 rund 334 000 Tiere für wissenschaftliche Versuche genutzt – ein Sechstel aller Labortiere in Deutschland. Nun plane das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch ein neues Tierversuchslabor. Das MDC wird zu großen Teilen aus öffentlichen Mitteln finanziert – laut Krüger ermöglicht der Senat so die Tierversuche, die er an anderer Stelle anprangert.

Zumindest mit Horst Spielmann dürfte sich die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz nun einen guten Sheriff ins Haus geholt haben. Marc Röhlig

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