Berlin : Neuer Streit um die Straße zum Pankow-Park

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Reinickendorf/Pankow. Um die Erschließungsstraße für den Pankow-Park ist erneut heftiger Streit entbrannt. Nach Bürgerprotesten hatten sich die Bezirksämter von Pankow und Reinickendorf darauf geeinigt, die Trasse, die zugleich als Umgehungsstraße für das Märkische Viertel gedacht ist, entlang des ehemaligen Grenzstreifens zu bauen. Doch jetzt hat Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) einer Südvariante den Vorzug gegeben, die Reinickendorfer Anwohner weniger beeinträchtigt, aber zu einer stärkeren Belastung der Pankower Seite führen würde. Weil beide Bezirksämter protestierten, hat Strieder von seinem Weisungsrecht Gebrauch gemacht und das Verfahren an sich gezogen.

Bei dem Streit geht es um den Plan, das zu einem Gewerbe- und Freizeitpark umgewandelte ABB-Werksgelände durch eine neue Zufahrt in Verlängerung der Straße Am Nordgraben zu erschließen. Vorgesehen war bisher, diese Straße entlang des ehemaligen Grenzstreifens zum Wilhelmsruher Damm zu führen und so das Märkische Viertel vom Schwerlastverkehr zu entlasten. 80 Prozent der Kosten von rund 15 Millionen Euro stehen aus EU-Mitteln bereit, den Rest würde ABB als Investor finanzieren. Anwohner des Dannenwalder Weges protestierten gegen den Baubeginn und die zu erwartende Lärmbelastung. Dennoch setzte die CDU-Mehrheit in Reinickendorf diese auch von Pankow favorisierte Variante gegen den Widerstand von SPD und Grünen durch. Für die Betroffenen gebe es ausreichende Lärmschutzmaßnahmen, hieß es.

Strieders Alternativplan sieht nun vor, die Straße weiter südlich entlang des Nordgrabens zur alten Bahntrasse zu führen und südlich des Friedhofs auf die Uhlandstraße stoßen zu lassen. „Das ist keine sachliche, sondern eine parteipolitische Entscheidung“, erklärt Pankows Stadtentwicklungs-Stadtrat Martin Federlein (CDU). Auch sein Reinickendorfer Kollege Michael Wegner (CDU) sieht eine „erhebliche Mehrbelastung der Pankower Wohngebiete“. Er fürchtet außerdem, dass die Erschließung des ABB-Geländes als Umgehungsstraße völlig aufgegeben wird.

In der SPD sind die Meinungen geteilt. „Als vor über vier Jahren über die Schließung des Standortes diskutiert wurde, gab es hier 1400 Arbeitsplätze, jetzt sind es 1800“, so der Pankower Fraktionschef Klaus Mindrup. Wichtig sei, dass es auch nach Osten eine vernünftige Anbindung des ABB-Geländes gibt. Deshalb favorisiere man die alte Variante. Für den Reinickendorfer Fraktionschef Andreas Höhne hat die neue Alternative dagegen den Vorteil, die Anwohner des Dannenwalder Weges deutlich zu entlasten. Für Norbert Weicht von der Bürgerinitiative Wilhelmsruh ist das eine Horrorvorstellung. Die Strieder-Trasse würde nicht nur mehrere Dauerbewohner einer Kleingartenanlage und ein Villengrundstück am Friedhof tangieren. Man befürchtet auch eine Mehrbelastung der ohnehin vor dem Verkehrsinfarkt stehenden Lessingstraße, an der eine Schule und eine Kindertagesstätte liegen. Außerdem seien die bisherigen Planungskosten in den Sand gesetzt, würde sich die Erschließung um rund drei Jahre verzögern. Rainer W. During

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