Berlin : Neuer Überfall auf Geldtransporter

Jörn Hasselmann

Zum dritten Mal innerhalb von sieben Wochen haben Unbekannte am Stadtrand von Berlin einen Geldtransporter überfallen. Mit Brachialgewalt überfielen vier bewaffnete und maskierte Täter am Donnerstagabend einen Transport in Ziegenhals bei Königs Wusterhausen. Die Räuber flüchteten mit ihrer Beute - einem leeren Geldkoffer.

Die Kripo vermutet eine osteuropäische Bande hinter dem Verbrechen. Deren Masche ist, mit gestohlenen Wagen zu Banken oder Supermärkten zu fahren, wo sie nach Geschäftsschluss mit Hämmern das Personal einschüchtern und Geld erpressen.

Für den gestrigen Überfall auf den Edeka-Markt hatten die Täter in Hoppegarten einen Audi gestohlen. Sie schlugen zu, als die beiden 43 und 46 Jahre alten Wachschützer mit ihrem Geldkoffer gegen 17.30 Uhr die Tageseinnahmen des Marktes abgeholt hatten und in den leicht gepanzerten VW-Transporter einsteigen wollten. Die Wachleute waren gerade im Ladebereich des Fahrzeuges und luden das Bargeld in den eingebauten Safe um, als sie dumpfe Schläge hörten: Einer der Täter zerstörte mit einem Vorschlaghammer die Scheibe auf der Fahrerseite. Gegen die drei Angreifer hatten die Transport-Begleiter keine Chance. In einem Handgemenge wurden sie entwaffnet; die Täter selbst setzten ihre Waffen nicht ein. Als einem der beiden Geldtransporteure die Flucht gelang, wurde er von dem im Fluchtfahrzeug wartenden vierten Täter verfolgt, konnte ihn an einer Absperrung jedoch abschütteln. Der Audi raste die hundert Meter zurück zum Supermarkt-Parkplatz, dort sprangen die drei Komplizen mit ihrer Beute in das Fahrzeug und flüchteten. Der Audi wurde eine Stunde später verlassen im Ortsteil Ziegenhals gefunden.

Die Beschreibungen der Täter sind dürftig. Vier Männer, alle dunkel gekleidet und maskiert, um die 30 Jahre, ausländischer, wahrscheinlich osteuropäischer Akzent. Die Potsdamer Kripo sucht nun vor allem Zeugen, die das Tatfahrzeug, einen blau-grauen Audi 80 mit dem Kennzeichen MOL-NV 636, seit dem 17. Januar beobachtet haben. An diesem Tag war das Fahrzeug in Hoppegarten bei Berlin gestohlen worden.

Dieses Vorgehen ist auch Merkmal der beiden vorangegangen Taten. Wie berichtet waren am 7. Dezember und am 11. Januar in Falkensee und Spandau Geldtransporter überfallen worden. Bei beiden Taten wurde jeweils eine Million Mark erbeutet, es wurden drei Autos vorher gestohlen, alle drei wurden nur für die ersten Kilometer der Flucht verwendet und dann verlassen.

Zu dem spektakulären Überfall mit Maschinenpistolen vom 11. Januar hat die Berliner Kripo auch vierzehn Tage später keine Spur. "Nichts gibt es", sagte der Chef der Berliner Raubdezernate, Manfred Schmandra, dem Tagesspiegel. "Die Personenbeschreibung ist gleich Null." Und das, obwohl der Überfall direkt vor dem Bahnhof Albrechtshof stattfand und die Versicherung eine hohe Belohnung von 40 000 Euro ausgesetzt hat. Derzeit zerlegen die Experten der Kripo den Geldtransporter in seine Bestandteile, um die Projektile zu finden, die auf ihn abgefeuert wurden. Keine Spuren gibt es auch zu den Tätern, die am 7. Dezember wenige hundert Meter entfernt in Falkensee einen Geldtransporter des gleichen Unternehmens auf der gleichen Tour und zur selben Zeit überfielen. Klar ist nur, dass die Räuber von Falkensee und Spandau nicht für den Hammer-Überfall am Donnerstag in Frage kommen - denn sie sprachen akzentfreies Deutsch.

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