Berlin : Neuer Verdacht in der Krampnitz-Affäre

Untersuchungsausschuss möglicherweise belogen

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Potsdam - In der Krampnitz-Affäre wird die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen möglicherweise ausweiten müssen. Für den Untersuchungsausschuss des Landtages besteht nach der Sitzung am Dienstag der Verdacht, dass die Käufer der früheren Kaserne im Potsdamer Norden um den Unternehmer Rolf Haferkamp und den Anwalt Ingolf Böx vor dem Erwerb der 112-Hektar-Immobilie vom Land ein falsches, vorgetäuschtes Angebot im Namen der dänischen Thylander-Gruppe abgegeben haben. Außerdem äußerten Obleute der Opposition aus CDU, FDP und Grünen und selbst von Rot-Rot offen den Verdacht, dass Böx bei seiner Vernehmung im Untersuchungsausschuss im Frühjahr 2011 eine falsche Aussage gemacht hat, was strafbar wäre. Gegen die Käufer wird bisher nicht ermittelt.

Zuvor hatte der damalige Vize-Präsident und Deutschland-Vertreter der dänischen Thylander-Gruppe, Marc Wiese, als Zeuge zentralen Aussagen der Käufer widersprochen. Und zwar in Bezug auf das Angebot, das Böx am 31. Mai 2007 im Namen und mit angeblichen Zusagen der Thylander-Gruppe eingereicht hatte. Auf der Titelseite stand „Thylander“. Das Angebot wurde aber ohne Kenntnis und Zustimmung der Dänen abgegeben, sagte Wiese. Thylander habe damals Böx und Haferkamp lediglich einen späteren Einstieg in das Projekt unverbindlich in Aussicht gestellt. Böx hatte ausgesagt, dass das Gebot in Kopie an Thylander geschickt worden und selbst in der Höhe mit dessen Management abgestimmt gewesen sei, ebenso wie die Verwendung des Firmennamens „TG“, wie ihn die Thylander Gruppe verwendet. „Eine Gestattung dafür hat es nicht gegeben“, sagte nun Wiese. Man sei, als man später davon erfuhr, über die Verwendung „verwundert“ gewesen.

Finanzministerium und Landtag hielten damals die seriösen Dänen für die Käufer. Dass sie es nicht waren, flog erst im Herbst 2010 mit der Affäre auf, die zum Rücktritt des Ministers Rainer Speer (SPD) beitrug. Wegen des Verdachts der Untreue zum Nachteil des Landes ermittelt die Staatsanwaltschaft bisher vor allem gegen Frank Marczinek, den Geschäftsführer der privaten Brandenburgischen Bodengesellschaft, die für das Land als Makler von früheren Militärflächen tätig war und ist. Das Areal war 2007 für knapp fünf Millionen Euro verkauft worden. Damals war es nach einem internen Gutachten für die Staatsanwaltschaft bereits fast doppelt so viel wert – und mit bald modifizierten Konzept einer größeren Wohnbebauung im Frühjahr 2008 knapp 30 Millionen Euro. Thorsten Metzner

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