Neuer Video-Reiseführer : Durchgedrehte Werbung für Potsdam

Ein Kanadier hat einen Video-Reiseführer produziert – im Auftrag der Deutschen Tourismuszentrale. Der Film soll junge Gäste in die Stadt locken. Testen Sie hier, ob er auch Ihnen gefällt.

Katharina Wiechers
Eine Stadt „mit einem Haufen Geschichte“. Mike Corey preist die Landeshauptstadt – und begibt sich dafür auch in luftige Höhen.
Eine Stadt „mit einem Haufen Geschichte“. Mike Corey preist die Landeshauptstadt – und begibt sich dafür auch in luftige Höhen.Repro: PNN

Mike Corey ist von Potsdam regelrecht begeistert: „Diese Stadt ist voller Schlösser, Parks und einem Haufen Geschichte“, sagt der junge Kanadier enthusiastisch in die Kamera. Mit kurz rasierten Haaren und schwarzem T-Shirt steht er auf der Kuppel der Nikolaikirche am Alten Markt und spricht ein paar einführende Sätze zu seinem Youtube-Film „Backpacker Survival Guide: Potsdam“. In dreieinhalb Minuten gibt der Videoblogger Rucksacktouristen einen Überblick über Parks, Schlösser und andere Sehenswürdigkeiten. Ein richtiges Handbuch ist der Kurzfilm, der seit einigen Wochen im Internet kursiert, nicht. Aber eine Werbung für die Stadt allemal.

Das ist kein reiner Zufall. Denn Auftraggeber für das Video war die Deutsche Tourismuszentrale in Frankfurt am Main, die Mike Corey mehrere „Survival Guides“ für deutsche Städte vorstellen lässt. Ziel dieses Projekts ist es, vor allem jüngere Reisende anzusprechen, sagt Petra Hedorfer, Vorsitzende der Tourismuszentrale.

Neben Potsdam gibt es die Handbücher auch für Frankfurt am Main und Erfurt, weitere Ausgaben sind in Planung. Vor allem die vielen Berlin-Touristen sollen mit dem Video wohl nach Potsdam gelockt werden. So lauten Mike Coreys erste zwei Sätze: „Diese Stadt ist schön. Und sie ist auch nicht weit von Berlin.“ Und er filmt sich auch gleich bei seiner Fahrt nach Potsdam. Er ist mit der S 1 unterwegs – natürlich aus Berlin. Brav hält er sein „ABC“-Ticket in die Kamera.

Angekommen am Potsdamer Hauptbahnhof leihe man sich am besten ein Fahrrad, sagt Corey, und erklärt auch genau, wo ein solches zu finden ist: nämlich zwischen den Gleisen 6 und 7. Dann werden die Anweisungen allerdings etwas weniger konkret: Ein Stadtplan wird eingeblendet und Sanssouci, der Neue Garten und der Park Babelsberg als Pflichtadressen für Potsdam-Neulinge hervorgehoben – garniert mit schönen Filmaufnahmen. „Potsdam zu besuchen ist wie der Besuch eines riesigen Schloss-Museums“, sagt Corey.

Was in dem Video eine Rolle spielt und was nicht, hat der junge Kanadier nicht alleine entschieden. Beteiligt daran waren auch die Deutsche Tourismuszentrale und die hiesige TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH. 2013 hatte sich die Tourismuszentrale dem Thema „Junges Reiseland Deutschland“ verschrieben und nach Wegen gesucht, mehr junge Touristen in die Bundesrepublik zu locken. In diesem Zusammenhang entstand auch das Bloggerprojekt „Backpacker Survival Guides“.

Vor allem für junge Menschen sind Rucksackreisen – also Reisen mit leichtem Gepäck, ohne vorher gebuchte Hotels und festgelegte Routen – interessant. Deshalb entschied sich die Tourismuszentrale dafür, das junge Publikum mit einem Backpacker-Handbuch anzusprechen. Und das nicht in gedruckter Form, sondern als Video.

Eindeutig an eine jüngere Zielgruppe ist auch Coreys Vorschlag zur Abendgestaltung in seinem „Backpacker Survival Guide“ für Potsdam gerichtet: Er schlägt vor, mit „locals“ – also Einheimischen – Hamburger zu essen und Bier zu trinken, und zwar im „Hafthorn“ in der Friedrich-Ebert-Straße. Zu seinen Empfehlungen zählt weiterhin die alternative Bar „Olga“ in der Charlottenstraße, wo es Corey zufolge „ziemlich günstige Drinks und viele coole Leute gibt“.

Regelrecht ins Schwärmen kommt der junge Kanadier bei seiner letzten Empfehlung: Auf einem Floß an der Schiffbauergasse über die Havel schippern, bei Sonnenuntergang zusammen mit Freunden grillen und dann beim Schaukeln der Wellen einschlafen – das müsse jeder zumindest einmal im Leben gemacht haben, findet er.

Und am Schluss gibt Mike Corey ein Versprechen: „Du wirst dich in diese Stadt verlieben. Mir ist es definitiv so ergangen.“ Und sei es nur, weil er für diese Botschaft bezahlt wurde.

Und wie gut kennen Sie Potsdam? Testen Sie es hier in unserem Online-Quiz!

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