Berlin : Neuer Vorstoß für Abitur nach 12 Jahren

In der SPD-PDS-Koalition mehren sich die Stimmen für eine große Lösung

Susanne Vieth-Entus

Im Abgeordnetenhaus wird am Donnerstag die Oberstufenreform beraten, gleichzeitig gerät das geplante Abitur nach zwölfdreiviertel Jahren immer mehr in die Kritik. In der SPD-PDS-Koalition mehren sich Stimmen für eine konsequente Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre. Nach Informationen des Tagesspiegel will die SPD eine neue Initiative starten. Die SPD-Schulexpertin Felicitas Tesch plädiert dafür, dass Berlin und Brandenburg bei der Kultusministerkonferenz (KMK) einen Antrag auf Genehmigung des Abiturs nach zwölf Jahren stellen. Schulsenator Klaus Böger (SPD) will sich dem nicht verschließen. „Wenn die Koalition das will – umso besser“, so sein Sprecher Thomas John.

Bisher galt eine KMK-Initiative als wenig aussichtsreich wegen der sechsjährigen Grundschule in den beiden Ländern. Nun aber sind dort plötzlich neue Töne zu hören: „Die Anzahl der Jahre spielt keine Rolle, wenn die Schüler auf insgesamt 265 Wochenstunden zwischen Klasse 5 und dem Abitur kommen“, hieß es gestern bei der KMK. „Senator Böger war immer für zwölf Jahre, aber die KMK wollte nicht“, stellte gestern sein Sprecher klar.

Diese neue Entwicklung dürfte den Landesschulbeirat freuen. Er ging gestern mit der GEW vor die Presse, um nochmals alle Argumente gegen Bögers Abiturreform zu Gehör zu bringen. „Die Kinder stehen vor dem Nichts“, warnte etwa Elternvertreterin Irmtraut Hosemann. Wenn die Abiturienten Ende März aus der Schule kämen, würden sie sechs Monate lang in der Luft hängen. „Die Schulzeit wird verkürzt, aber nicht verbessert“, meinte Schülervertreterin Eva Hänsel. Es bringe nichts, drei Monate früher fertig zu sein, wenn im Gegenzug die Wochenstundenzahl derart steige, dass der Unterricht generell in den Nachmittag reiche – ohne Mittagessen. Lehrervertreter Gunter Barnickel empört sich vor allem darüber, dass der Mathematikunterricht zusammengestrichen wird, ohne dass bisher geklärt wurde, wie der Stoff in der Mittelstufe vorgearbeitet werden kann. Außerdem hätten viele Schulen schlicht nicht genug Räume, um die zusätzlichen Kurse, etwa im Sport, unterzubringen. Die Schulverwaltung hatte die Bedenken bisher weitgehend ignoriert.

Nun aber drängt die Zeit, da das Vorschaltgesetz für die Oberstufenreform bereits den Senat passiert hat und am Donnerstag zur ersten Lesung ins Abgeordnetenhaus kommt. Dem Vernehmen nach hält auch die Bildungskommission Berlin-Brandenburg nichts von der halbherzigen Verkürzung um nur drei Monate, da die Jugendlichen ohnehin erst im Herbst mit Ausbildung oder Studium beginnen können.

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