Berlin : Neuer Wegweiser durch die Stadt

Lange Zeit waren es vor allem die jüdischen Friedhöfe, die an das einst blühende Judentum in Berlin erinnerten. Die Liste der Namen berühmter Juden, die hier begraben sind, ist lang. Weit mehr wurden in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und in Lagern ermordet oder mussten aus Deutschland fliehen.

Mehr als 50 Jahre nach dem Holocaust, am Ende des Jahrhunderts, heißt es aber dennoch: "Das jüdische Berlin lebt". Zu diesem Urteil kommen jedenfalls die beiden Autoren Andrew Roth und Michael Frajman in ihrem "Wegweiser" durch das "jüdische Berlin heute". Der Wegweiser ist jetzt im Berliner Quadriga-Verlag in deutscher Übersetzung erschienen.

Anzeichen für das wieder erwachende Leben gibt es dem Buch zufolge reichlich. So siedeln sich immer mehr jüdische Institutionen in der Bundeshauptstadt an und die Zahl der Gemeindemitglieder hat sich durch den steten Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in den neunziger Jahren auf rund 11.000 verdoppelt. Sieben Synagogen laden heute zu ultra-liberalen bis streng orthodoxen Gottesdiensten ein - ein Bruchteil der mehr als 80 Gemeinde- und Privatsynagogen, die sich vor der NS-Zeit in der Stadt befanden. Kindern aus jüdischen Familien steht ein eigenes Schulsystem, vom Kindergarten bis zum Abitur, zur Verfügung. Beinahe täglich wird zu jüdischen Konzerten, Vorträgen und Filmvorführungen eingeladen.

Dabei erweist sich der neue "Wegweiser" durch das jüdische Berlin als ein hilfreicher Kompass. Wer auf der Suche nach einem koscheren Restaurant oder einer Stadtführung ist, findet in dem über 220 Seiten starken Taschenbuch genügend Anregungen. Neben einem ausführlichen historischen Abriss sowie Hinweisen auf Denkmäler und "Schauplätze des Nationalsozialismus" sind es die Adressen und Kurzdarstellungen von Verbänden und sozialen Einrichtungen, die den Band zu einem nützlichen Nachschlagewerk für Berliner wie für Touristen machen.

In Berlin gibt es eben - wie die Autoren schreiben - nicht nur "eine reiche jüdische Vergangenheit zu entdecken". Daneben gibt es außerdem "eine faszinierend bunte jüdische Gegenwart", die es zu erleben lohnt.

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