Berlin : Neuer Wein in neuen Schläuchen

Anna Bilger

SONNTAGS UM ZEHN

„Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren, und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört in neue Schläuche.“ Mit diesen Worten aus dem 2. Kapitel des Markus-Evangeliums leitet Pfarrer Klaus Rößner an diesem Sonntag in der Sankt-Bonifatius-Kirche an der Kreuzberger Yorckstraße den Gottesdienst ein. Neuer Wein in neue Schläuche, das ist Jesus Antwort auf die Frage, warum seine Jünger nicht fasten, wie es die Jünger des Johannes und die Pharisäer tun. Jesus fragt zurück: „Können denn die Hochzeitsgäste fasten, wenn der Bräutigam noch bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; an jenem Tag werden sie fasten. (...) Neuer Wein gehört in neue Schläuche. “ Weil es verschiedene Formen und Wege gibt, Glauben zu praktizieren. Fasten kann eine Hilfe sein – aber den Umfang muss wohl jeder Gläubige selbst bestimmen. Pfarrer Rößner spricht über das Fasten, da am kommenden Mittwoch die Fastenzeit beginnt. Sie birgt die Möglichkeit, über Veränderungen und neue Wege nachzudenken, denn der Umgang mit dem Glauben, Regeln und Gesetzmäßigkeiten müssen an die Zeiten angepasst werden.

Fastenzeit und Karneval sind eng miteinander verwoben. In religiöser Tradition dienen die närrischen Tage als eine „Zeit des Fleisches“, vor der „Zeit des Geistes“, die mit dem Aschermittwoch eingeläutet wird. Dann beginnt der Weg Christi durch Leid und Tod bis zur Auferstehung am Ostersonntag. Durch Verzicht können die Gläubigen in Solidarität mit Jesus den Leidensweg durchlaufen. Und natürlich dient das Fasten dazu, sich von schlechten Gewohnheiten zu lösen: Rauchen, Alkohol, Konsum. Von Aschermittwoch bis Karsamstag dauert die 40-tägige Zeit des Darbens. Nur an den Sonntagen, da wird die Auferstehung Christi gefeiert. Die Zahl 40 kommt in der Bibel mehrfach vor. 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste, und 40 Tage begegnet Moses Gott auf dem Berg Sinai.

Die Fastenzeit: 40 Tage, um in sich zu kehren, Fehlentwicklungen zu überdenken und Mut zur Veränderung zu beweisen. Neuer Wein in neue Schläuche.

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