Neues Buch über treue Vierbeiner : Künstlerin aus Berlin fotografiert wartende Hunde

Wartende Hunde vor Kneipen und Supermärkten, im Auto: Die Berliner Künstlerin Barbara Wrede hat die geduldigen Tiere fotografiert. Ihre besten Bilder zeigt sie nun in einem Fotoband.

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Kleiner Hund - großes Vertrauen: Coverbild des Buches ,,Wartende Hunde"
Kleiner Hund - großes Vertrauen: Coverbild des Buches ,,Wartende Hunde"Foto: Tsp-Repro

Sie haben alle Charakterköpfe. Zum Beispiel Kurt, die Französische Bulldogge von „Bullysbakery“ an der Friedelstraße in Neukölln. Knickohren und Boxernase, das perfekte Maskottchen. Verdöst hockt der kleine schwarze Kerl vor dem Café in der Sonne. Oder der Terrier-Mix vorm Kreuzberger Sexshop, gechillt auf dem Trottoir ausgestreckt, bis Herrchen heraustritt. Wartende Hunde – für die Künstlerin und Fotografin Barbara Wrede sind sie seit mehr als zwanzig Jahren faszinierende Fotomotive.

Ihre Kamera hat die 48-Jährige immer dabei. Entdeckt sie ein fotogenes Tier, reagiert sie im Vorübergehen. Das Modell soll sie nicht angucken. Also ruck, zuck den Blickwinkel suchen, auslösen. Möglichst natürlich soll die Pose sein, typisch Hund. 200 ihrer besten Bilder zeigt Barbara Wrede nun in einem Fotoband. Es ist ein Buch über die Treue. Kurios, humorvoll, anrührend.

Fotogalerie: Wartende Hunde - ein Streifzug durchs Buch
Urvertrauen und Vorfreude aufs Wiedersehen, mal stolz, mal melancholisch ergeben, mal mit stoischer Ruhe oder verloren wirkend irgendwo vor einer Discounter Tür ... Hier sind einige Fotos aus Barbara Wredes Fotobuch über wartende Hunde. Erschienen ist der Band im Berliner ,,Fred&Otto-Hundeverlag, Kosten: 22,90 Euro.Weitere Bilder anzeigen
1 von 17Foto: Barbara Wrede
10.09.2014 14:01Urvertrauen und Vorfreude aufs Wiedersehen, mal stolz, mal melancholisch ergeben, mal mit stoischer Ruhe oder verloren wirkend...

„Kaufe einen jungen Hund, und du wirst für dein Geld wild entschlossene Liebe bekommen“, hat der Autor des Dschungelbuches Rudyard Kipling geschrieben. „Stimmt genau“, sagt Barbara Wrede. Dann schlägt sie in ihrem Atelier im früheren Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft an der Mohrenstraße in Mitte die Seite 198 ihres Buches auf. Ein bunt gemixtes Tölen-Trio, angeleint vor der Apotheke. Total präsent, Schnauzen wie mit dem Lineal zur Tür ausgerichtet, die Augen voller Hoffnung.

Zu etlichen Bildern kann Barbara Wrede Geschichten erzählen. Da gibt es den Ladenhüter, einen Mischling, der täglich zusammengerollt auf seiner braunen Decke im Schaufenster eines Zahntechnikers lag. Oder sie zeigt auf Nemo aus der Familie der Huskys. Der wartete regelmäßig vorm Delikatessengeschäft an der Oranienstraße mit hocherhobener Nase. „Und das hier“, sagt sie, „ist Guapo vom Kottbusser Damm.“ Ein wuscheliger Zwerg. „Musste beim Beineheben immer hochspringen, um die Markierungen der großen Hunde zu erreichen.“

Hunde sind echte Familienmitglieder

Ist es nicht ein bisschen versponnen, ständig die Vierbeiner in Wartestellung zu fotografieren? Manchmal wird sie das gefragt. Doch wer Hunde liebe, verstehe sie gut, sagt Barbara Wrede. Sie hat selbst viele Jahre lang mit Hunden zusammengelebt. „Die sind echte Familienmitglieder.“ Vorfreude aufs Wiedersehen und bedingungsloses Vertrauen drückt ihr ganzer angeleinter Körper aus. Mal stolz, mal melancholisch ergeben, mal mit stoischer Ruhe oder verloren wirkend irgendwo vor einer Discounter-Tür.

Wo müssen Hunde überall warten? Vor Kneipen und Supermärkten, auf Balkonen, im Auto, hinter Fenstern, vor der Damenanprobe, als Mops im Einkaufswagen und sogar im Radkorb. So gesehen, hat Barbara Wrede nicht nur das Auge mit einem Schmunzeln auf die wartenden Hunde gelenkt, sondern auch ein kleines Kaleidoskop des flüchtigen Berliner Alltags geschaffen. Kurzum: Für alle, die Hunde mögen, ist dieses ganz und gar ungewöhnliche Buch das perfekte Geschenk.

Wartende Hunde – Ein Buch über die Treue, Fred & Otto – Verlag, 300 S., 199 Bilder, Essays v. Katharina Rutschky. 22,90 Euro. Hier geht's zur Website von Barbara Wrede

96 Ortsteile, 96 Bilder, 100 Prozent Berlin
Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...

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