Neues Einkaufscenter : Shoppen bei Schultheiss

Moabit soll in der alten Schultheiss-Brauerei ein neues Einkaufscenter bekommen. Anwohner klagen über „Verschattung“.

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Eine Berliner Brauerei kann im zweiten Leben alles werden: Kulturzentrum, Kreativschmiede, Loftanlage oder Ärztehaus. Bei Schultheiss in Moabit haben sich die Eigentümer für eine Mischung entschieden: Einkaufszentrum, 200-Betten-Hotel, Fitnesscenter und Gastronomiezeile. Nach krisenbedingtem Planungsstillstand soll in den ockerfarbenen Klinkerbauten an der Stromstraße nun ein 100-Millionen-Euro-Projekt realisiert werden. Federführend ist der Immobilienentwickler HLG aus Münster, der bereits das Shoppingcenter Tempelhofer Hafen am Teltowkanal realisiert hat.

Das Schultheiss-Vorhaben wäre 2008 fast gescheitert, weil sich Denkmalschützer, Stadtplaner und viele Anwohner querlegten. Sie beklagten eine zu dichte Bebauung, die wenig Rücksicht auf die Substanz nehme. Die HLG tauschte den Architekten aus und plante neu. „Sensibler“ werde man auf die vorhandene Struktur reagieren, verspricht HLG-Geschäftsführer Christian Diesen. Auf dem Brauereihof soll die alte Ladenstraße weitgehend erhalten und zu einer Kopfsteingasse mit Restaurants und Cafés umgestaltet werden. Auch das historische Pförtnerhaus südlich des Hauptgebäudes wird in das neue Konzept eingebunden.

An den Flanken zur Perleberger Straße im Norden und der Turmstraße im Süden werden allerdings viele Garagen und Remisen abgerissen und neu überbaut. Um die Wohnbauten ostwärts, an der Lübecker Straße, nicht zu verschatten, verzichten die Planer auf ein Obergeschoss. Die überdachte Einkaufstraße wird vom Haupteingang an der Ecke Turmstraße/Stromstraße nordwärts verlaufen, durch das Brauerei-Gebäude hindurch bis zur Perleberger Straße. Dort soll der Ankermieter „Kaufland“ für Belebung sorgen. Von der Perleberger Straße aus könnte das 23 000 Quadratmeter große Areal beliefert werden. Geplant sind 500 Parkplätze, relativ wenig für ein Center dieser Größe. „Wir haben die Zahl der Stellplätze massiv reduziert“, sagt Diesen.

Mit der Architekturplanung ist inzwischen das Berliner Büro Kahlfeldt beauftragt. Mit konkreten Gestaltungsvorschlägen halten sich die Planer allerdings zurück. Auch das gehört zur sensiblen Vorgehensweise. Die Brauerei sei „identitätsstiftend“ und gelte als „hochkarätiges Denkmal“, sagt Petra Kahlfeldt. An der Perleberger Straße werde sich der Neubau weitgehend hinter der historischen Mauer verstecken. Die vier Meter hohe Mauer ist ebenfalls ein Zugeständnis an den Denkmalschutz.

Der Bebauungsplan, auf dem das Projekt fußt, ist noch nicht beschlossen. Die HLG rechnet aber fest mit einer Zustimmung in der BVV Mitte. Frühestmöglicher Baubeginn wäre laut Diesen im Januar 2012. Zwei Jahre später könnte eröffnet werden. Der Vorsitzende des BVV-Ausschusses für Stadtentwicklung, Frank Bertermann (Grüne) bleibt skeptisch. „Es ist nicht so, dass alle glücklich sind.“ Zahl der Parkplätze und Höhe der Bebauung seien weiterhin strittig. „Alles ein bisschen kleiner“ wünscht sich Bertermann, allerdings schätzt er das Vorhaben insgesamt als Chance zur Belebung der kränkelnden Turmstraße ein.

Der Senat hat das Viertel um die Turmstraße vor kurzem zum Sanierungsgebiet erklärt. Öffentliche Plätze und Wege sollen aufgewertet werden, damit sich wieder neue Geschäfte ansiedeln. Gegenwärtig glänzt die Straße vor allem durch Billigketten. Vor zwei Jahren schloss das Hertie-Kaufhaus, ein wichtiger Kundenmagnet.Thomas Loy

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