Berlin : Neues Geld, altes Stadion

Hertha BSC will 2007 den Namen des Olympiastadions verkaufen – und überrascht damit den Eigentümer: den Senat

André Görke

Der Senat fühlt sich mächtig überrumpelt – von Hertha BSC. Ja, man sei gesprächsbereit. Aber: „Nein, wir haben definitiv noch keine Zustimmung für eine Umbenennung des Olympiastadions gegeben“, sagte der Sprecher von Innensenator Ehrhart Körting, Hubertus Benert. Ähnlich irritiert über den lautstarken Vorstoß von Hertha BSC äußerte sich die Senatsverwaltung für Finanzen.

Der Klub hat angekündigt, im kommenden Jahr die Namensrechte des Olympiastadions an einen Konzern verkaufen zu wollen. Laufzeit: bis zu zehn Jahren. Einnahmen: bis zu fünf Millionen Euro – pro Jahr. Prompt wurde Herthas Ausrüster „Nike“ ins Gespräch gebracht, Aufsichtsratschef Werner Gegenbauer regte in der „Berliner Morgenpost“ schon mal die Demontage der Olympischen Ringe an.

Sogar im Büro des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) war man überrascht vom Vorstoß. „Bisher haben wir stets eine Umbenennung aus historischen Gründen abgelehnt“, sagte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej. „Und mir ist jetzt kein neuer Stand bekannt.“ Zudem könnte die Umbenennung eine Olympiabewerbung für 2020 erschweren. Schon nach der WM hatte es eine derartige Diskussion um die Umbenennung gegeben. Viele Berliner lehnten diese damals ab.

In Managementkreisen des Olympiastadions wird bezweifelt, dass der Senat jetzt als Eigentümer so einfach einen Millionen-Deal teilen würde. Hertha BSC ist schließlich nur Nutzer, auch wenn der Klub nicht zu Unrecht betont, „dass wir mit mehr als 20 Großveranstaltungen der wichtigste Mieter sind“.

Die Debatte erregt die Gemüter. Hertha drücken fast 50 Millionen Euro Schulden. Ein Teil der Einnahmen sollten laut Hertha in den Olympiapark – Maifeld, Reiterstadion, Schwimmbad – investiert werden. Vom Olympiastützpunkt Berlin bekommt Hertha daher Unterstützung. „Wir dürfen 50 Millionen Euro nicht einfach wegschmeißen“, sagte der Leiter des Olympiastützpunktes Berlins, Jochen Zinner. „So lange das Geld in die Renovierung des Geländes gesteckt wird, können wir damit leben, wenn die Ringe durch ein Firmenlogo ausgetauscht werden.“ Das jedoch dürfte nicht so einfach werden. Schon beim 242 Millionen Euro teuren Umbau des Stadions klagten Bauleiter über die rigiden Aufpasser vom Denkmalschutz, die sogar schimpften, wenn Stufen um einige Zentimeter verbreitert werden sollten. Die Ringe zwischen Bayern- und Preußen-Turm wurden zu den Olympischen Spielen 1936 befestigt.

Zumindest baulich wäre es möglich, ein großes Firmenlogo auf die Stahlkonstruktion des Daches zu setzen – wie es etwa bei der „Commerzbank“-Arena in Frankfurt am Main der Fall ist. „Statisch ist das kein Problem“, sagt Jochen Köhn, während des vierjährigen Umbaus im Olympiastadion Gesamtprojektleiter für das Architekten- büro von Gerkan, Marg und Partner. Es sei nur die Frage, ob man so einen markanten Eingriff – meterhohe Buchstaben auf dem Dach – wolle. Eine Vorgabe beim Umbau war es schließlich, dass das Dach wie ein schmaler Deckel auf den Tribünen liegt und von außen kaum zu sehen ist.

Sponsoren waren in Berlin immer wieder im Gespräch: Mal die Bahn als größter Arbeitgeber der Stadt und Herthas Trikotsponsor, mal war es Samsung kurz vor der Fußball-WM. Ein Doppelname – in Kombination mit Olympiastadion – wird für sehr unwahrscheinlich gehalten. Generell kaufen sich meist Firmen mit regionalem Bezug ein. Sei es nun die AWD-Arena in Hannover (1. Liga), das Playmobil-Stadion in Fürth (2. Liga) oder die LTU-Arena in Düsseldorf (3. Liga). Nike übrigens wollte Herthas Vorstoß nicht kommentieren. Firmenkenner schließen ein ernsthaftes Interesse aber aus.

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