Neues Konzept für Tiergärten : Berliner Abgeordnete auf Zoobesuch

Hannover, du kannst es besser: Berliner Politiker zu Gast im städtischen Zoo. Der hatte einst ähnliche Problemen wie die Tiergärten der Hauptstadt.

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Berlins Zoodirektor Andreas Knieriem (l) steht zusammen mit den Geschäftsführern Frank Werner (M.) und Andreas M. Casdorff (r) vom Zoo Hannover im Pelikangehege.
Berlins Zoodirektor Andreas Knieriem (l) steht zusammen mit den Geschäftsführern Frank Werner (M.) und Andreas M. Casdorff (r) vom...Foto: dpa

Der Pelikan guckt etwas pikiert. Gerade hat er noch einen kleinen Jungen mit seinem rund einen halben Meter langen Schnabel verschreckt. Doch dann ist er übermütig geworden und hat nach den Knöpfen am blauen Sakko von Andreas Knieriem geschnappt. Knieriem packt den Schnabel und hält ihn einfach zu.

Die Reisegruppe aus Berlin ist begeistert, wie so oft an diesem Tag. Sie wünschen sich, das hier wäre nicht Hannover. Zusammen mit dem Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses ist der neue Zoo- und Tierparkchef am Mittwoch in den Zoo Hannover gereist. Die Politiker wollen sich ansehen, wie man einen Zoo unter wirtschaftlichen und tiergärtnerischen Aspekten umgestalten kann.

Der Moment mit dem Pelikan ist einer der wenigen Momente an diesem Tag, an dem Knieriem hier in Hannover wieder im Mittelpunkt steht. Er versucht, sich zurückzuhalten, doch man merkt, das hier ist irgendwie immer noch sein Zoo. Von 1996 bis 2009 war er Tierarzt in – und stellvertretender Zoologischer Leiter. „Ich habe hier mitgeplant, ich war nicht nur Tierarzt.“ Das betont er als hätte man das infrage gestellt.

Ein gutes, rentables Konzept

Der neue Geschäftsführer des Zoos in Hannover, Andreas Michael Casdorff, der seit August 2013 gemeinsam mit Frank Werner den Zoo kaufmännisch leitet, kommt aus der Tourismusbranche. Er sagt: „Am Ende des Tages will der Besucher ein emotionales Erlebnis haben. Da ist es egal, ob es ein Tag oder sieben Tage dauert.“ Schon 1865 bei der Gründung des Zoologischen Gartens galt das Ziel: „Wirtschaftlichkeit durch einen beliebten Vergnügungsort erzeugen.“

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Der Zoo Hannover stand mal vor den gleichen Problemen wie der Berliner Tierpark. Niedrige Besucherzahlen, altmodische Gehege, kaum Einnahmen – Anfang der 90-er Jahre stand er gar vor der Schließung. Doch kam Weltausstellung, die Expo 2000, nach Hannover und der Tiergarten bewarb sich mit seinem Konzept „Zoo 2000“. Von 1996 bis 2013 entstanden für 120 Millionen Euro sieben Themenwelten auf 21 Hektar Fläche wie der indische Dschungelpalast für Elefanten und Tiger oder die Sambesi-Flusslandschaft für Antilopen Löwen und Giraffen. Die Besucherzahlen stiegen von rund 600000 auf mehr als 1,6 Millionen in den Jahren 2011 und 2012. Danach ging es wieder etwas abwärts, auf rund 1,2 Millionen, mittlerweile geht’s wieder aufwärts. Was in der gesamten Zeit durchgängig anstieg, war der Preis: 25 Euro kostet eine Tageskarte für Erwachsene heute. „Das ist verdammt viel Geld“, gibt auch Geschäftsführer Casdorff zu.

Mit neuen Ideen einen großen Sprung nach vorn

Beim Rundgang durch den Zoo sagt Knieriem: „Ich will nur zeigen, was man für Konzepte alles machen kann. Jeder Zoo sollte sein eigenes, stimmiges Konzept haben. Wir wollen Tiere und Natur zeigen, und nicht Tiere und Stall.“ Von den dreißiger bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gehörte der Zoo Hannover der Tierhandelsfirma Ruhe, die hier Tiere vorübergehend ausstellte und dann weiterverkaufte. So kamen einige Kostbarkeiten nach Hannover. „Wo sah man damals schon mal ein Okapi“, sagt ein Besucher schwärmend.

Der Ausschuss-Vorsitzende Fréderic Verrycken (SPD), zeigt sich begeistert von dem Konzept in Hannover. Er versucht sich mit einem Sprachbild: „Während wir in Berlin noch am offenen Feuer sitzen, hantieren Sie hier schon mit verschiedenen Energiesparlampen herum.“ Von Andreas Knieriem erwartet er zwar nicht, „dass in zwei, drei Jahren der große Sprung nach vorne schon gelingt, aber wir wollen bald ein Konzept sehen“. Zoo und Tierpark hätten sich zu lange auf ihren Lorbeeren ausgeruht. „Wir hoffen, dass wir da von Herrn Knieriem profitieren.“

Der freut sich offensichtlich, dass er hier wieder direkt mit Tieren zu tun hat. Seine Augen leuchten, wenn er darüber redet, dass er hier Seelöwen füttern – oder eben Pelikanen den Schnabel zuhalten kann. „Die haben ganz weiche Federn am Hinterkopf.“ Pelikane seien sehr schlaue Vögel, „aber ich bin immer noch schneller als die“, sagt er – wie ein kleiner Junge, dem ein Streich gelungen ist.

Bis zum Jahresende will und soll Knieriem ein Konzept für den Zoo, vor allem aber den Tierpark vorlegen. Pelikane laufen ja auch in Friedrichsfelde herum – vielleicht sollten die schon mal die Schnäbel einziehen.

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