Berlin : Neues Medienkaufhaus: "Libro" öffnet bald im Europa-Center

Cay Dobberke

Das Europa-Center am Breitscheidplatz dürfte bald mehr junge Leute anziehen: Nach der Modekette "Esprit", die vor kurzem eine Filiale bezog, eröffnet am 22. Juni das Medienkaufhaus "Libro" auf rund 2000 Quadratmetern - im ehemaligen "Warner Bros. Studio Store". Und weil neben dem Center auch noch das Sportkaufhaus "Niketown" liegt, zeigte sich Libro-Vorstandschef André M. Rettberg gestern vom Erfolg in seiner Zielgruppe der "Zwölf- bis 30-Jährigen" überzeugt. Nach den gescheiterten Läden "fnac" und "Virgin Megastore" ist dies ein erneuter Versuch, eine Medienkaufhaus in der West-City zu etablieren.

Im Heimatland Österreich ist die Libro-Kette nach eigenen Angaben Marktführer unter den Medienhändlern und hat dort 250 Filialen. In Deutschland gibt es bisher sieben Libro-Läden. Die Räume im Europa-Center sind bundesweit die größten, weshalb von einem "Flagship Store" (Flagschiff-Geschäft) die Rede ist. Ferner sucht man Standorte für vier bis fünf weitere Häuser in Berlin.

Zum geplanten Angebot gehören Musik-CDs, Filme auf Video oder DVD, Computerprogramme und -spiele und natürlich, dem Firmennamen entsprechend, Bücher. Musikartikel aller Art sollen rund ein Viertel des Sortiments ausmachen. Firmenchef Rettberg will "preisaggressiv" vorgehen und möglichst billiger sein als die Konkurrenz.

Im Medienkaufhaus wird es ein Internet-Café geben, dessen Räume auch für Livemusik und Lesungen gedacht sind. Überhaupt setzt die Firma stark aufs Internet. Unter "lion.cc" bietet sie kostenpflichtige Musikdateien zum Herunterladen und erprobt den Versand elektronisch gespeicherter Buchtexte. Diese Angebote will man auch im Internet-Café populär machen. Bald soll es möglich werden, dass sich Kunden der Filiale individuelle Musik-CDs am Rechner zusammenstellen.

Mit den Schlagworten "Erlebnis-Shopping" und "Entertainment" verspricht Rettberg insgesamt jede Menge Unterhaltung für junge Leute. Trotzdem sollen die Räume nicht knallbunt werden, sondern ein "zurückhaltendes Ambiente" bieten.

Und mit wem konkurriert Libro? Zumindest nicht mit dem Kulturkaufhaus Dussmann an der Friedrichstraße, wie Rettberg betonte. "Wir sind Jugendkultur", während Dussmann eine ältere Klientel anziehe (eine Einschätzung, die auch dort geteilt wird). Kaufhäuser, Elektronikmärkte und Musikläden zählen für Libro eher zu den Mitwerbern. Die größte Konkurrenz sieht Rettberg jedoch in den vielen anderen Möglichkeiten für junge Leute, ihr Geld ausgeben - sei es für "H &M"-Mode oder für Schwimmbadbesuche.

In einem Punkt ist Dussmann das Vorbild für Libro - beim Spätverkauf bis 22 Uhr. Zunächst schöpft man im Europa-Center nur die normalen Ladenschlusszeiten aus, doch werden die Chancen für eine Verlängerung geprüft. So lange das Ladenschlussgesetz nicht geändert wird, müsste Libro den arbeitsrechtlichen Trick von Pionier Dussman übernehmen und seine rund 30 künftigen Mitarbeiter am Breitscheidplatz zu Prokuristen befördern.

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