Berlin : Neues Pflaster statt Wolkenkratzer

Die Hochhäuser bleiben Vision. Dafür soll die Freifläche des Alexanderplatzes neu gestaltet werden – vor allem mit Stein

Christian van Lessen

Vom Wolkenkratzer- aufs Fußgängerniveau sind die Umbaupläne für den Alexanderplatz geschrumpft. Investoren betonten gestern, sie hielten die Riesen angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes vorerst für nicht finanzier- und vermietbar. Aber wenn es schon mit der „Hochhauskrone“ aus 150 Meter hohen Gebäuden nicht klappt, soll zumindest der freie Platz mit Brunnen und Weltzeituhr ein neues Aussehen bekommen. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) stellte am Freitag einen Entwurf vor und sprach von einem „überzeugenden Konzept für einen vitalen, großstädtischen Platz“. Eingerahmt werden soll er unter anderem von 37 Meter hohen „Sockelgebäuden“ der Investoren Asset (Kaufhof), Interhotel und der US-Gruppe Hines. Über diesen Sockeln, deren Bau im nächsten Jahr beginnen soll, könnten bei Bedarf künftige Hochhäuser entstehen.

Der Alex aber wird keinen Rasen mehr haben, mit einem neuen Pflaster noch steinerner wirken und rund ein Drittel kleiner sein. Der Umbau soll spätestens im Sommer nächsten Jahres beginnen, ein erster Abschnitt zeitgleich mit der neuen Galeria Kaufhof im Frühjahr 2006 fertig sein. Die Umgestaltung kostet fast zehn Millionen Euro, mehr als die Hälfte bezahlen die Investoren.

Der Entwurf ist das überarbeitete Ergebnis eines Wettbewerbs und stammt von den Büros WES + Partner sowie Gerkan, Marg und Partner. Vorgabe war, dass Toiletten, Brunnen und die Uhr erhalten bleiben, natürlich auch die Straßenbahn. „Also das ganze Zeug, das draufsteht“, sagte der beteiligte Landschaftsplaner Hinnerk Weber. Bei der Erläuterung des Entwurfs versuchte er, anhand von Fotos und Skizzen den langen Planungsprozess zu erklären. Er spannte dabei den Bogen vom Göttinger Uni-Gelände bis zum Expo-Platz in Hannover, um dann darzustellen, was den neuen Alex auszeichnet. Ein neuer Bodenbelag aus Granit vor allem, einige Treppchen und Sitzmöbel – lange Bänke – und kleine Baumgruppen, Ruhezonen, neue Leuchten. Der Platz, von dem er gar nicht wisse, wo vorn und hinten ist, solle steinern wirken, ein Kontrast zum grünen Marx-Engels-Forum sein, sagte Weber.

Dass der Platz kleiner wird, liegt daran, dass er eine neue Kante in Höhe des Hotelriesen bekommt. Sie ist dort, wo die Investoren Kaufhof, Deutsche Interhotel und Hines ihre „Sockelbauten“ planen, in denen es zahlreiche Geschäfte geben soll. Die Bauherren beteiligen sich am Platzumbau, dessen Kosten genau 9,89 Millionen Euro betragen sollen, mit 56 Prozent. Das ist in städtebaulichen Verträgen vereinbart. Martin Ernst von Interhotel und Robert Leibl von der Investorengruppe Hines halten es für möglich, dass schon zur Fußball-Weltmeisterschaft in zwei Jahren die neuen Sockelgeschosse, zumindest deren „Kanten“ stehen. Der Sockel des Kaufhofes wird sowieso fertig sein, der des Hotels soll rechts vom Park-Inn-Hochhaus stehen und der von Hines wiederum daneben.

„Wir können mit der Platzgestaltung nicht bis 2010 warten, bis die Hochhausbebauung kommt“, sagte die Senatorin. Und es behindere auch nicht die weitere Häuserplanung, wenn zuvor schon der Platz erneuert werde. Das Konzept könne mit einzelnen Abschnitten im Takt der Hochbauprojekte verwirklicht werden. Die neue Gestaltung „trifft sehr genau die Stimmung, die wir seit den zwanziger Jahren mit dem Alexanderplatz verbinden“, sagte sie, sprach von zurückhaltender Eleganz und großstädtischem Flair, das von allen Schichten der Bevölkerung angenommen wird. Man könne hier Vielfältiges veranstalten, weil es ein „Höchstmaß an Offenheit“ gebe. Derartige Anregungen für den Entwurf habe man nach einer Internet-Bürgerbeteiligung verarbeitet. Empfehlungen für die Platzgestaltung seien auch vom Frauenbeirat bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gekommen.

Im letzten Jahr hatte der Hauptausschuss 4,4 Millionen Euro für die Neugestaltung des Alexanderplatzes freigegeben. Die Investoren verpflichteten sich, spätestens Ende März 2006 mit dem Bau von Sockelgeschossen zu beginnen. Für die Hochhäuser galt das Fernziel 2013.

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