Berlin : Neues Risiko

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über Schuld,

Sühne und Porschefahren

Nehmen wir es als einen zivilisatorischen Vorteil, dass sich die Bankenaffäre in Berlin und nicht in Tokio abgespielt hat. Denn dort begehen Manager, auf deren Konto eine derartig gewaltige Geldvernichtung geht, gern blutige Selbstentleibung, bevor die Juristen überhaupt ihre Akten öffnen. Nein: So etwas wollen wir für Berlin nicht vorschlagen. Aber auch das Gegenteil, das dreiste Lachen und Porschefahren und Reines-Gewissen-Vorzeigen, ist kaum erträglich.

Dass es schwer werden würde, hinter den Geschäften dieser umtriebigen Nieten in Nadelstreifen strafrechtlich interessante Sachverhalte aufzudecken, war von vornherein klar. Doch dass das Landgericht es nun nicht einmal schafft, in absehbarer Zeit wenigstens den Versuch zu unternehmen – das ist ein neuer Skandal in einer scheinbar unendlichen Geschichte des Versagens. Und seine ganze Brisanz ergibt sich aus der aktuellen politischen Lage: Wenn alle Bürger die bittere Lektion lernen müssen, dass ein Land über seine Verhältnisse gelebt hat, dann wäre es eine Frage der sozialen Balance, dass diese Lektion auch für jene gilt, die vorrangig zu dieser Schieflage beigetragen haben.

Ja, es gibt das viel beschworene Unternehmerrisiko. Doch es ist leider heimlich ein wenig umdefiniert worden: Es ist das Risiko all jener, die an die Kompetenz von Unternehmern glauben.

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